„Theaterfabrik e. V.“ steht auf der Klingel. Die Klingel gehört zu einem ganz gewöhnlichen Wohnhaus in der Luisenstraße in Düsseldorf. Wir klingeln. Ein Surren erklingt, wir drücken gegen die Tür und treten ein. Direkt im Erdgeschoss öffnet sich eine Tür. Dahinter verbirgt sich ein kleines Wohnzimmertheater – die Theaterfabrik. Die Atmosphäre ist trotz der unbekannten Gesichter persönlich. So als wäre man auf einer Party, wo man nur den Gastgeber kennt. Jacken können einfach an die Garderobe gehängt werden, man ist ja unter sich. Plaketten mit Nummer drauf, die man dringend braucht, um seine Jacke am Ende auch wieder zu bekommen, gibt es nicht.
Hinter einem schwarzen, unscheinbaren Vorhang ist der kleine Bühnenraum. In den ersten beiden Reihen stehen Sofas und drei Sessel. In den Reihen dahinter kann man auf bunt zusammen gewürfelten Stühlen Platz nehmen. „Snow an a Cemetery“ heißt das Stück mit dem das Looters-Ensemble an diesem Abend auf der Bühne steht. Wie ein roter Faden durchzieht das Stück die Frage: „Was ist das Besondere an Schnee auf einem Friedhof?“ Wer die Antwort wissen möchte, muss sich allerdings in Geduld üben, denn die gibt es erst in der allerletzten Szene.
Im Zentrum der Handlung steht der sagenumwobene Schneeschatz, den es für eine vierköpfige Gruppe aus tapferen Recken zu finden gilt. Die Heldengruppe besteht aus völlig unterschiedlichen Charakteren: Der Botschafterin der Waldfeen Twitterina Vogelsang, die die Sprache der Vöglein spricht. Dem Silberzwerg Griffel, Sohn des Grabsch. Dem Weißmagier Tahiro Mondfeld, dessen ständiger Begleiter eine weiße Kugel ist und Alrika Allerwelt, einer Drachentöterin.
Doch die vier Helden sind nicht alleine bei ihrer Suche nach dem Schneeschatz. Auch die schrille Schwarzmagierin Ally Gory, die für jeden Zauberspruch einen Edelstein benötigt, will den Schatz unbedingt finden. In der letzten Zeit hat sie es mit dem Zaubern etwas übertrieben und sogar ihre Nägel dank eines Zauberspruchs in Rot erstrahlen lassen. Nun sind all ihre Edelsteine aufgebraucht. Ally Gory lässt nichts unversucht, um an Edelsteine zu kommen. So versucht sie, eine ihrer drei Töchter beim Seelenzähler Lulu Ziffer als Praktikantin unterzubringen. Der Plan missglückt. Die Stelle geht an eine Germanistikstudentin im 60er-Jahre-Outfit, die zuvor mit Pokémontrainer Ash auf der Suche nach seinem entlaufenden Pummeluff war. Neben Pummeluff treten auch andere Pokémons in Erscheinung. Dabei bleibt es nicht nur bei einer Gesangseinlage von Pummeluff, dessen Geträller einschläfernd wirkt und ihm so freie Bahn für jeglichen Schabernack lässt.
Das Stück ist gezeichnet durch seine exzentrischen Charaktere, die sich in absurde Situationen begeben, sei es ein kannibalistisches Sushi-Restaurant oder einen Massagesalon voller Möglichkeiten. Es macht Spaß dem sechsköpfigen Ensemble in ihren tollen Kostümen zu zuschauen und sich über die abgedrehten Ideen der Autoren zu wundern.
Text: Nadine Sapotnik