Solang die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zu Ende – Gossip live in Düsseldorf

Fotos: Jens Becker

Verkaufen wir mal eben die Philipshalle aus, denken sich Gossip und quartieren sich auf der letzten Deutschland-Station ihrer aktuellen Tour gemütlich in Düsseldorf ein. Alle Genreschubladen sprengend pilgern sogleich Queerfolk, Familienbanden und Kegelvereine gleichermaßen ohne Umwege zur Dittomania.

Bevor aber Beautiful Beth im silber-schwarz gestreiften Kleid über die Bühne fegt, legen Hercules And Love Affair im Vorprogramm einen weitestgehend lahmen Auftritt hin. So kalt wie das schummrig blaue Spotlicht ist auch die Darbietung der New Yorker Elektropop-Fraktion. In einem kleinen gemütlichen Brooklyner Club mag das gefallen, heuer aber nicht.

Wie Bühnepräsenz aussieht, lehrt und lebt hingegen Madame Ditto. Kurze Aufwärmphase, ehe „Pop Goes The World“ die Tanzrakete zündet. Große Momente gibt es vor allem dann zu beklatschen, wenn die Ditto ihr Gesangsorgan bis zum Anschlag durchtritt. Zur Stimmbandpflege reicht ihr Freundin Kristen zwischendurch den ein oder anderen Jameson-Whiskey, der dann umgehend mit einem stattlichen Bäuerchen verbrannt wird. Prost!

Per, von einem zuckersüßen Akzent untermalten, Ansagen in Landessprache, sichert sich die vokale Wuchtbrumme mal wirklich alle Herzen in der Halle. Doch möge sie dabei bitte in Zukunft die übertriebende Deutschlobhudelei samt Fahnenentgegennahme aussparen. Muss nicht sein.

Zurück zum Wesentlichen: Professionell mit gebührendem Abstand auf die Playlist des Abends verteilt, werden nach und nach die Airplay-Dauerbrenner a la „Vertical Rhythm“ abgehakt und wie erwartet mit „Heavy Cross“ eine Der Pop-Hymnen des noch jungen Jahrtausends bis zur Zugabe aufgespart.

Rundum ergänzen gleich mehrere Coverstücke die Werke aus eigener Feder. Da wird Tina Turner mit „What´s Love Got To Do With It“ gehuldigt und eine „Heartbeats“-Version geschmettert, die jedoch weder an das Original von The Knife, noch an die Interpretation von Jose Gonzalez heranreicht. Was Queer-Queen Beth und ihrem Gossip-Adelsgeschlecht um Gitarrist Bruce Paine und Schlagzeuger-”Alien” Hannah aber auch keinen Zacken aus der Krone brechen lässt.

Und wenn dann schließlich das unvermeidbare Ende naht, die Band bereits die Bühne verlässt, ja dann hat Ditto noch einen auf Lager. Denn merke: Solang die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zu Ende! „I Will Always Love You“ von Whitney Houston als A-Cappella-Abschluss. Ganz große Arie!

Galerie vom Konzert gibt es auf getaddicted.org

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2 Antworten auf Solang die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zu Ende – Gossip live in Düsseldorf

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