
Foto: Matthias Koch, Schlackeabschüttung bei Thyssen
Objektiv? Subjektiv!
Wie man die Dinge sieht, ist immer eine Frage des Standpunktes. Auch in der dokumentarischen Fotografie. Objektivität ist eine Illusion. Im Bezug aufs Ruhrgebiet sowieso. So wie die Meinungen übers Revier zwischen den Extremen „Drecksloch“ und „lebendige Metropole“ schwanken, so unterschiedlich ist der subjektive Blick durch die Kamera. Was halten international renommierte Fotokünstler in unserer Region für ablichtenswert? Die Ausstellung „Ruhrblicke“ im SANAA-Gebäude auf Zollverein zeigt Arbeiten der Creme de la creme der deutschen Fotografieszene.
Hilla Becher, Laurenz Berges, Joachim Brohm, Hans-Peter Feldmann, Andreas Gursky, Jitka Hanzlová, Candida Höfer, Matthias Koch, Elisabeth Neudörfl, Jörg Sasse und Thomas Struth bekamen die Aufgabe, ihre individuelle Sicht aufs Ruhrgebiet fotografisch umzusetzen.
Schauen wir uns stellvertretend drei Positionen an:
Mitten im Ruhrgebiet lebt Jitka Hanzlová. Die gebürtige Tschechin befasst sich seit langem mit Portrait-Fotografie. Ihre Bilder zeigen meist Kinder und Heranwachsende in ihrem ganz persönlichen Umfeld. Schlicht „Hier“ heißt die Serie, die in Essen entstanden ist und Sichten auf Vorstadtarchitektur, Natur, Stilleben und Portraits kombiniert.
Fasziniert von der Industriekultur zeigt sich Matthias Koch. Das Besondere an seinen Bildern ist die ungewöhnliche Luft-Perspektive. Von der Leiter eines Feuerwehrwagens aus zeigt Koch die enormen Veränderungen in der Region, die sich tief in die Landschaft eingegraben haben. Den historischen Symbolcharakter etwa eines Stahlwerks zeigt er eingebettet in seinen ländlichen oder urbanen Kontext.
Überwiegend mit den Fotos anderer Leute arbeitet Jörg Sasse. Für die „Ruhrblicke“ präsentiert Sasse 512 Unikate, d. h. am Computer überarbeitetes fotografisches Material aus dem Ruhrgebiet, das zwischen 1950 und 2009 entstanden ist. Thema: der Alltag. Am PC entstehen Bilder, deren Ursprung beim besten Willen nicht mehr zu erkennen ist, so dass sich bei seinen Arbeiten ständig die Frage stellt: Wie viel taugt eigentlich ein Foto als Medium der Erinnerung? Wie objektiv kann Fotografie sein?
Ruhrblicke. Ein Fotografieprojekt der Sparkassen-Finanzgruppe
24.4.–24.10. SANAA-Gebäude, Zeche Zollverein, Essen