Schluss-Punkt: Kuno Gonschior ist tot

Nicht, dass ich mich schon jahrelang mit der Kunst des Bochumer Malers Kuno Gonschior beschäftigt hätte …, aber sein plötzlicher Tod hat mich dennoch sehr ergriffen und traurig gemacht …
und zwar deshalb:

Kulturdezernent Michael Townsend hatte neulich in Sachen Europäische Jugendkunstaustellung in sein schmuckes Zimmerchen im Bochumer Rathaus geladen, und anwesend – weil als Juror für die Auswahl der Bochumer Teilnehmer zuständig – war eben dort auch Kuno Gonschior.

Wie er über die Aufgaben einer Jury redete – dass man sich auch nach der ein oder anderen Ablehnung auf keinen Fall davon abbringen lassen sollte, weiter Kunst zu machen und sich wieder und wieder zu bewerben; er selber sei unzählige Male abgelehnt und zurückgewiesen worden und habe erst sehr spät mit seiner Kunst Annerkennung erfahren können – erschien mir sofort sehr liebenswürdig und nett.

Es gäbe oft verschiedenste Gründe, warum dieser oder jener junge Künstler in solch eine Gemeinschaftsausstellung nicht aufgenommen werden könnte – mitunter seien sich die Werke zweier Künstler auch einfach zu ähnlich und man müsse sich daher leider für einen von beiden entscheiden. In diesen wenigen Minuten konnte ich mich mit dem freundlichen Gonschior ganz pragmatisch und überhaupt nicht abgehoben über seinen eigenen Weg durch das Kunstgeschäft unterhalten.

Als das Pressemeeting dann schließlich beendet wurde und sich alle Teilnehmer hastig von ihren Stühlen erhoben, holte Gonschior aus seiner Tasche eine Mappe mit Blättern und drückte sie mir persönlich in die Hand: Obwohl es mit diesem Termin und der “Jugendkunstausstellung” eigentlich gar nix zu tun hatte, wollte mir Gonschior offenbar eine kleine Serie seiner jüngsten Kunstwerke vorstellen (und schenken), weil ich anscheinend echtes Interesse gezeigt hatte oder ihm, keine Ahnung, sonstwie sympathisch war.

Und auch wenn mancher Banause solche “Punkt-Malerei” einfach nur als, naja, “abstrakte Kunst halt” abtut oder nix mit ihr anfangen kann: So rührend wie Gonschior in jenem Moment kurz über seine vor drei Jahren verstorbene Frau sprach (und er hatte nach drei Jahren immer noch Tränen in den Augen!), bekam für mich diese leicht monotone “Punkt-Malerei” nicht nur einen neuen Stellenwert als Therapie und Trauerarbeit, sondern – im steten Wandel der einzelnen Kunstwerke vom Dunklen ins Helle (mit dem leichten und hoffnungsfrohen Hauch eines “Silberstreifs am Horizont”) – eine schwer bewegende und optimistische Bedeutung, die ich so vorher vielleicht auch nicht gesehen hätte.

Auf alle Fälle hatte mich diese Begegnung dermaßen beindruckt, dass ich irgendwann später Gonschiors Serie kurzerhand mal bei mir zuhause in der Wohnung aufhing.
Deshalb: Als ich jetzt von seinem Tod hörte, war ich tatsächlich überrascht und betroffen :-(

Kuno Gonschior starb am 16. März im Alter von 74 Jahren.

Das Museum Bochum widmet Kuno Gonschior ab Freitag, den 26. März, eine Gedächtnisausstellung.

Die Europäische Jugendkunstausstellung ist dann vom 8. bis zum 29. Mai in den Herner Flottmann-Hallen und vom
4. bis 27. Juni in der Bochumer Turbinenhalle (hinter der Jahrhunderthalle) zu sehen.

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