Wie funktionieren Helden? Wer macht sie? Welche Werte spiegeln sich in den Heldenbildern der jeweiligen Zeit wider? Diesen Fragen widmet sich vom 12. März bis zum 31. Oktober die Ausstellung „Helden. Von der Sehnsucht nach dem Besonderem“ im LWL-Industriemuseum Hattingen.
Vom antiken Heldenmythos bis zum TV-Helden der Moderne sind alle Namhaften vertreten. Darunter starke Idole wie John F. Kennedy, waghalsige wie Michail Sergejwitsch Gorbatschow, mutige wie Jesus, verantwortungsvolle wie Mutter Teresa, kluge wie Johann Wolfgang von Goethe und charismatische wie Supermann.
„Wir machen die Helden nicht, sondern schauen auf die Zeiten, in denen sie entstehen“, erklärt Projektleiter Dietmar Osses. Den Anfang macht die Antike mit Herkules, dem Helden schlechthin, auf den alle weiteren Heldenbilder aufbauen.
Übers Mittelalter, in dem neue Heldentypen verehrt werden – nämlich Heilige und Märtyrer – gelangt der Besucher in die Neuzeit. Kriege, Sport, Arbeit und Medien sind hier herausstechende Themengebiete.

Stolz sind die Veranstalter auf die zahlreichen Leihgaben, die erst- und einmalig in dieser Form zusammenkommen. Der Besucher bestaunt so Stücke wie beispielsweise eine Jesusfigur aus dem 12. Jahrhundert, die Büste von Otto von Bismarck, Wrackteile des legendären Flugzeugs von Manfred von Richthofen alias der rote Baron, die Jacke des Tatort-Kommissars Horst Schimanski und die Mütze eines Feuerwehrmannes, der bei den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 ums Leben kam. „Wir finden also Helden, die uns allen etwas sagen, aber auch solche, die wir noch gar nicht kennen“, so die Direktorin Ruhr.2010, Asil Sevindim.

Der Ausstellungsort selbst hat auch eine eigene Heldengeschichte: Vor 20 Jahren kämpfte die Region Hattingen gegen das Aus der Stahlhütte und feierte ihre Anführer als Helden. „Die Ausstellung findet deshalb am richtigen Ort und zur richtigen Zeit statt“, ist sich Dr. Barbara Rüschhoff-Thale, LWL-Kulturdezernentin, sicher. Mit der richtigen Zeit ist natürlich das Jahr der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 gemeint. Asil Sevindim freut sich sehr über die Helden-Ausstellung: „Sie ist ein Glanzstück und sensationell für das Kulturjahr geeignet. Denn sie funktioniert generations-, milieu- und kulturübergreifend.“
Innovativ ist die Zusammenarbeit mit 40 Schulklassen, die das Thema Helden bereits im Vorfeld erarbeitet haben und deren Ergebnisse in der Ausstellung ebenfalls dargestellt werden.

„Mit unserer Erlebnisausstellung schlagen wir auf diese Weise eine Brücke zur Institution Schule und machen das Industriemuseum ganz neu erfahrbar“, erzählt Dr. Rüschoff-Thale stolz. Der Direktor des Museums, Dirk Zache, ergänzt: „Das Projekt geht über unser Haus hinaus. Es liefert Denkanstöße und wirkt in weiten Kreisen.“ Damit meint der Museumsdirektor auch die zahlreichen Begleitangebote, die rund um die Helden-Ausstellung laufen.
Text und Fotos: Julia Schemmer
Helden – Von der Sehnsucht nach dem Besondernen

