Kaum eine Kritik: Alice im Wunderland – Der Film

Gestern habe ich zufällig kurz vor Feierabend gesehen, dass ja diese Woche Alice im Wunderland im Kino anläuft. Also ab ins gut gefüllte Bochumer Bofimax und nach einer äußerst peniblen 3D-Brillenausgabe (mit Pfandmarken und Personalausweis als Sicherheit) fand man sich auch schon im äußerst gut gefüllten Kino 1 in einem extrem und sympathisch bunt gemixtem Publikum wieder. Die Geschichte von Alice scheint in der Tat wirklich ein bisschen zeitlos zu sein.

Kurzer Aufreger vorweg bei einem kleinen Animierspielchen, bei dem wertlose Kinogimmicks unter die Leute gebracht werden, die die Leute aber dennoch animieren, Alles zu geben, um zum Beispiel einen Disney Aufkleber zu bekommen: Während ich noch sagte “Ich würds fangen, wenns zufällig sowieso hier landet” verspricht meine Begleitung nicht mal dies zu tun und bekommt prompt ein Disney Mousepad an den Kopf, das tatsächlich über schätzungweise zehn horizontale und vertikale Reihen just sie als Flugziel auserkoren hatte. Für das Mauspad ging die Reise dann weiter, vielleicht hat sich dann jemand anderes gefreut oder eine ähnliche Geschichte hat sich wiederholt, wer weiß das schon….

Phantasievolle Transformation

Zum Film: Mit Tim Burton als Regisseur und Johnny Depp als Hutmacher hätte man sicherlich keine besseren Leute finden  können. Sie lassen bereits erahnen, wie phantasievoll und überhaupt phantastisch die Geschichte umgesetzt wurde. Ich persönlich glaube jedenfalls keinen Film gesehen zu haben, der dem nahe kommt. Depp brilliert mal wieder in seiner Rolle, die man getrost als Schnittmenge von “Edward mit den Scherenhänden” und “Charlie und die Schokoladenfabrik” bezeichnen könnte. Wie der Mann mit seinen Augen arbeiten kann, ist schlichtweg großartig.


Zwei kleine Kritikpunkte

Ein paar Kritikpunkte bleiben natürlich immer. Die Geschichte beruht natürlich nicht auf der klassischen Geschichte von Lewis Carroll, sondern ist gewissermaßen ihre Fortsetzung, d.h. Alice wird als Erwachsene zurück ins Unterland (das im Buch noch Wunderland genannt wurde) geholt, um es von der Roten Königin zu befreien. Ansonsten sind natürlich die bekannten Charaktere dabei und fulminant zu Leben erweckt. Entsprechend hat man dem Film natürlich eine entsprechende Dramaturgie verpasst – dass es am Ende zu einer großen Schlacht kommen wird, dürfte bereits früh klar sein. Ist das jetzt Kritik am Drehbuch? Ein wenig vielleicht, schließlich kommt die Originalgeschichte ohne jene Effekthascherei aus. Andererseits finde ich es gut, dass die Macher, den Klassiker nicht einfach rigoros umgeschrieben haben, sondern um den Anforderungen einer Kinoleinwand (so es sie denn gibt) gerecht zu werden, den Weg der Adaption in die Zukunft gegangen sind. Ich kann dabei verschmerzen, dass dabei die philosophische Dimension, die Carroll ja so herausgestellt hat, hier leider bestenfalls angedeutet wird, weil die Aura des Wun.. äh Unterlandes eben so toll umgesetzt worden ist.

Zweiter kleiner Kritikpunkt ist der Schluss bzw. die Rahmenhandlung, die mit einem total moralisierenden Ende vollkommen gegen die schöne und wie gesagt phantastische Geschichte angeht. Während Alice im Unterland lernt, dass der Unterschied zwischen Traum und Wirklichkeit gar nicht so einfach ist, mahnt sie am Ende ihre alleinstehende Tante sich nicht so sehr in den Phantasien zu ergeben, sie hätte einen tollen Prinzen an ihrer Seite. Eine Lehre von Alice ist wie ich finde auch, dass die Realität Träumen und Phantasie selten das Wasser reichen kann.

Dieser Beitrag wurde unter Dagewesen, Film veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>