Jörg Juretzkas rotzige Ruhrkrimis

Die Krimis von Jörg Juretzka gehören zweifellos zum Besten, was die große regionale Szene zu bieten hat. Sie sind witzig, haben einen wunderbaren Lesefluss und lassen auch das entsprechende Lokalkolorit nicht vermissen – ohne dabei in eine blöde Heimatduselei zu verfallen.


Ganz frisch dekoriert ist der geborene Mülheimer mit dem 3. Platz beim Deutschen Krimi Preis für seinen letzten Roman „Alles total groovy hier“, in dem es seinen Protagonisten Kristof Kryszinski vom Ruhrgebiet in die spanische Einöde verschlägt. Am 15. Februar ist der neue Kryszinski „Rotzig&Rotzig“ erschienen. Und auch hier bleibt dem leidlich beschäftigen Privatdetektiv eine Dienstreise nicht erspart. Nachdem er undercover als Hausmeister in einem Mülheimer sozialen Brennpunkt arbeiten muss, sieht er sich plötzlich mit der Luxemburger Upper Class konfrontiert. Ich durfte dem Mittfünfziger ein paar Fragen stellen.


Foto: Harald Hoffmann

coolibri: Erst einmal herzlichen Glückwunsch für ihren 3. Platz beim Deutschen Krimi Preis. Es ist ja bereits das dritte Mal, dass Sie ausgezeichnet werden. Freuen Sie sich noch über Auszeichnungen?

JJ: Klar. Ich freu mir jedes Mal aufs neue ‘nen Knopp anne Backe.

Der Preis wird ja vom Bochumer Krimi Archiv verliehen. Hinzu kommt noch die Auszeichnung mit dem Literaturpreis Ruhr von 2006. Haben diese Preise Sie in Ihrer Karriere als Schriftsteller unterstützt? 

Preise helfen dabei, überhaupt wahrgenommen zu werden, und sie ermutigen die Rezensenten, einen gut zu finden. Also, ja.

Ihr Schreibstil wird gern mit Raymond Chandler verglichen. Sehen Sie das eher als Kritik an ihrem individuellen Schreibstil oder als Kompliment – und haben Sie ihn eigentlich gelesen? 

Natürlich habe ich Chandler gelesen. Alles von ihm und alles mehrfach. Und mit ihm verglichen zu werden ist ein enormes Kompliment. Auch wenn (wir) Hardcore-Chandler-Fans das als Sakrileg ansehen. Ich bin da – ich muss es zugeben – ein wenig zerrissen.

Ihre Krimis thematisieren trotz des lockeren Schreibstils zunehmend, politische und soziale Probleme. Auch in „Rotzig&Rotzig“ geht es zunächst in einen sozialen Brennpunkt und anschließend um einen Kinderschänderring. Würden Sie ihre Krimis als politisch bezeichnen, oder sehen Sie das Politische nur als Schauplatz für eine spannende Kriminalgeschichte? 

Weder noch. Ich sehe mich als Unterhaltungsautor ohne „Botschaft“. Meine Themenauswahl ist eher zufällig. Das heißt sie ist geprägt von dem, was mich warum auch immer gerade beschäftigt.

In dem Band „Auf Streife im Revier. Der Krimi im Ruhrgebiet“ sagten Sie, die Figur Kristof Kryszinski sei durch und durch eine Figur des Ruhrgebiets. Mal angenommen Sie würden im Ruhrgebiet im Jahr 2020 schreiben. Würde dann die Person als Ruhrgebietsfigur anders konzipiert sein oder vielleicht auch einfach gar nicht? 

Kryszinski steht für den Menschenschlag hier, und der ändert sich nicht so schnell.

2009 ist ihr dritter Roman „Der Willy ist Weg“ neu aufgelegt worden. Wieso haben Sie Herrn Heckhoff nicht weiter geführt? 

Die des Willy Heckhoff? Interessante Frage. Und nette Anregung …

Die Krimiszene des Ruhrgebiets ist außergewöhnlich groß. Lesen Sie die Bücher der Kollegen, und wie schätzen Sie sie ggf. ein?

Ich lese eigentlich nur Angelsachsen, und nur im Original. Und kaum Krimis.

Andere Autoren twittern schon. Warum haben Sie eigentlich nicht einmal eine Website?

Weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich, weil ich Computer hasse.

Jörg Juretzka liest „Rotzig&Rotzig“:
3.3. Buchhaus Altenessen, Altenessener Str. 448, Essen

6.4. Sissikingkong, Landwehrstr. 17, Dortmund

Kleine Auswahl an Kryszinskis:

  • Rotzig&Rotzig, Rotbuch, 2010, 16,95€
  • Alles total Groovy hier, Rotbuch, 2009, 16,90€
  • Der Willy ist weg, Rotbuch, 2009, 16,90€
  • Prickel, Rotbuch, 2007, 12,90€
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