Im März haben Gitarrist Tobe und Schlagzeuger Moritz der Herner Metalband Layment die coolibri Redaktion besucht. Herausgekommen ist ein Portrait im heute frisch erscheindenden coolibri Ruhrgebiet (also direkt heut abend inner Pinte lesen, solang er noch warm ist!) und ein Track by Track hier und jetzt im blogbird, denn ebenfalls ab heute gibt es das tolle zweite Album TRACES der Band zu kaufen. Morgen feiern sie in der Matrix den Release mit Livekonzert und Party.
Secret Life
Tobe: Secret Life ist so seit Jahren unser Lieblingslivestarter, weil der richtig schnell richtig abgeht. Der zeigt viel von unseren verschiendenen Stilelementen und er macht uns immer sehr viel Spaß.
Moritz: Er hat sehr schnelle Parts und eher schleppende Parts, vom Gesang her melodische Parts, deshalb also wirklich sehr abwechslungsreich und hat auch dieses schöne Gitarrenintro.
Remain Blind
M: Einer meiner Favoriten auf dem Album, weil er eine ganz tolle Melodie und Refrain hat. Den kann ich mir auch wunderbar in einem riesengroßen Stadion vorstellen.
T: Zum einen sehe ich das auch mit dem Stadion, er ist zum anderen auch sehr vielseitig und betont auch stärker unsere melodiebezogene Seite
Break Away
M: Die rockigste Nummer vom Album, die auch live unglaublich viel Spaß macht. Der Song hat eine schöne Strophe, die nur von Bass und Schlagzeug getragen wird und richtig schön drückt.
Ode
T: Der Track geistert schon seit 1999 bei uns rum. Den haben wir komplett entrümpelt und ein paar Takte angepasst. Da hatten wir ursprünglich Rythmusänderungen drin und wollten uns mal selbst beweisen, was wir alles können. Jetzt wollten wir einfach nur einen coolen Song haben und ich glaube das ist uns auch ganz gut gelungen. Das schöne ist, dass zwischendurch unsere alten Celticrock wurzeln durchkommen.
M: Eine schöne Mischung aus diesen folkigen Parts und diesen rockigen Parts. In der Mitte gibt’s auch noch einen reinen Metalpart. Der Song ist deshalb auch sehr vielfältig.
Tears Of Regret
T: Dazu wird’s ein Video geben.
Ein relativ hartes Teil. Von der Tonart her haben wir uns mal in eine neue Richtung bewegt. Live ist das für uns immer ein richtig geiler Song, weil der immer schön abgeht und keine Gefangenen macht.
M: Eine Art Headbangers Paradise. Mich hat der Song gerad im Mittelpart immer am ehesten an Metallica erinnert.
T: Ich sehe da eigentlich eher einen Bezug in Richtung New Metal oder Moderner Kranker Metal. Es gibt ja ein paar Bands, die wieder so richtig auf die Fresse gehen und da sehe ich den Song eher. Gleichzeitig übrigens mit einem kleinen Lynyrd Skynyrd-Touch, den wir in der Mitte irgendwie reingekriegt haben. Da war einfach so ein Moment, da dachten wir, das passt, und es passt.
Traces
M: Meiner Ansicht nach der atmosphärischste Song und deshalb eignet er sich wunderbar als titelgebender Song. Live wenn es dunkel wird, hat das einen schönen Effekt. Das grandioseste an dem Song finde ich, wenn der Refrain am Ende nochmal aufgenommen wird und sich noch einmal richtig schön steigert.
T: Ich mag einfach das lange Intro daran, denn manchmal, wenn man es nicht immer macht, kann so ein Intro echt was auslösen.
Burning Candle
T: Richtung schwedischen Death-Metal geht’s los und wird dann plötzlich ein ganz melodisches Teil. Cooler Refrain, den hab ich nicht geschrieben, deshalb kann ich das sagen.
M: Ich finde die Strophen eigentlich besser. Meiner Meinung in der Hinsicht der stärkste Song auf der Platte. Dann ist dieses Vocalintro, das irgendwie gospelmäßig ist.
T: Nee, ich würd sagen, das ist eher mönchsmäßig. Aber wie dem auch sei, da ist auf jeden Fall dieser Chor und das war wirklich nur eine spontane Idee, als wir die Stimmen für den Refrain aufgenommen hatten. Nachdem wir uns die Stimmen dann ohne Intrumente nochmal angehört hatten, dachten wir, daraus kann man doch was machen. Wir haben das dann komplett nochmal neu aufgenommen und den Text an einer Stelle nochmal ein bisschen verändert.
No Disgrace
M: Das ist auch eine sehr schön rockige Nummer. Mir gefällt gut ist, dass in den Strophen etwas runtergefahren wird, damit Raum gegeben wird, um in den Refrains wieder richtig schön heavy zu werden. Der Song hat sehr ausladenede, schöne Refrains.
T: Wir haben hier mit alternativen Akkordstrukturen gearbeitet. Man kann die Akkorde ja nicht nur so spielen, wie man sie in Peter Burschs Gitarrenbuch lernt, man kann sie auch woanders suchen. Wir haben da ein bisschen experimentiert und ich finde das beste ist, dass man eben nicht hört, dass experimentiert wurde und es nicht so klingt, als ob wir etwas hätten beweisen wollen.
Feuergeist
T: Jetzt willst du bestimmt wissen: Warum ist dieses eine Stück auf Deutsch? Wir hatten ja schonmal solche Versuche auf der letzten Platte, wo ein deutsch-türkisches Stück drauf war. Wir haben festgestellt, dass sich manchmal die deutsche Sprache besser eignet, um ein Feeling rüberzubringen, weil sie an einigen Ecken und Kanten eckiger und kantiger ist. Wir wollten hier auf keinen Fall auf so eine Mittelaltermetal-Schiene aufspringen und so klingt der Song ja auch wirklich nicht und auch Stefan Raab hat noch nicht angerufen. Es passte einfach, unser Sänger Marosh hatte eine Idee dazu mit einem deutschen Refrain. Es wird auch immer wieder deutsche Songs von uns geben, aber wir legen uns da nicht fest.
M: Für mich gehört der Song neben „Remain Blind“ zu meinen Favoriten auf dem Album, weil die Strophen härter sind als das, was wir sonst machen, aber die Refrains dann eine unglaublich schöne Melodie haben.. Außerdem haben wir hier viele kleine Sachen versteckt. Im Refrain haben wir auch noch akustische Gitarren, die man vielleicht beim zehnten mal erst hört. Und das Intro hat eine sehr hohe Dynamik. Es fängt sehr leise an, ein bisschen als ob man das Ganze über einen Ghetto Blaster hören würde. Dann gibt es einen lauten Schlag und dann geht’s in voller Lautstärke weiter.
T: Ein Song, der also gerade durch den Text gewonnen hat, weil er dadurch ein wenig heraussticht, aber eben auch durch die bereits genannte Härte in der Strophe mit Kontrast zu der sehr klassischen, fast pathetischen Strophe.
Ten
M: Welche Geschichte erzählen wir denn da? Ich erzähl jetzt mal meine und du kannst gleich eine andere erzählen. Eine Geschichte ist, dass unser Sänger Marosh auf dem Heimweg eine Idee zu einem Song hatte. Er hatte aber kein Handy dabei oder sein Akku war leer und er hatte Angst, dass er die Idee wieder vergessen könnte. Da war dann zum Glück eine Telefonzelle, die gibt’s ja nur noch selten, und dann auch noch eine mit Münzen, die gibt’s ja noch viel seltener. Er hat dann zu Hause angerufen und bei sich auf den Anrufbeantworter gesungen. Und das haben wir dann letztlich genau so im Studio übernommen und nur noch Gitarren und Keyboard hinzugefügt.
T: Das war ein Versuch, mal was neues zu machen. Letztendlich ist es ja ein Intro für Track 11 und hat auch kompositorisch gewisse Parallelen zu dem Song, nur in einer anderen Tonart. Wir wollten mal gucken, was neues zu machen, das noch irgendwie nach uns klingt. Wir waren auch der Meinung, wir könnten auch mal Sachen auf die Platte packen, die nichts für eine Liveshow, weil nur Experiment, sind. Das war dann eine nicht geschlafene Nacht von Marosh und mir mit viel Kaffee und Wasser in seinem Fall und das kam dann dabei raus. Wir haben uns hier auch mal ausgetobt und Gitarreneffekte benutzt, die wir sonst eigentlich nie verwenden. Das macht dann vielleicht dieses Westernfeeling.
Sanity’s Calling
T: Das ist der genannte Song, auf den „Ten“ hinarbeitet. Das ist ursprünglich ein Stück, das in Richtung Hardcore gehen sollte und sich dann im Studio ganz anders entwickelt hat. Es ist schwierig dafür Worte zu finden. Es klingt halt anders und sticht aus den anderen Songs heraus, ist aber dennoch ein typischer Layment Song, weil er Sachen miteinander verbindet, die normalerweise nicht zusammen gehören.
M: Ursprünglich waren die Vocals für den Song zu 2/3 geschrieen und die waren viel härter als sonst. Deshalb hatten wir darüber diskutiert, ob er überhaupt auf das Album soll, weil es sich soweit vom Rest entfernt. Wir waren dann im Studio und haben es erstmal so aufgenommen und es fehlten letztlich nur noch die Backing-Vocals. Als wir die dann hatten, fanden wir die so gut, dass wir uns entschieden haben die Backing- und die Lead-Vocals mehr oder weniger zu tauschen. Wenn man den Song jetzt über Kopfhörer hört, kann man also viel von der alten Songstruktur wieder erkennen.
T: Ich finde die Mischung aus dem fetten Hardcore-Riffing und dem doch jetzt recht getragenen Gesang sehr genial. Der Refrain ist ein Layment-Refrain.
Sons Of Herne
T: Credo des Songs ist, dass jeder eine Heimat hat, wo er herkommt oder herkommen sollte. Denn die muss nicht auf der Landkarte sein, sondern die kann er auch im Herzen mit sich rumtragen oder auch irgendwo anders.
M: Der Songtitel ist natürlich sehr spezifisch, so dass wir uns darin wieder finden. Aber im Text kann sich letztlich jeder wiederfinden. Jemand der den Song zum ersten mal hört, würde wohl beim ersten mal „Herne“ raushören, aber in Wirklichkeit wird „heaven“ gesungen. Der Song ist im Grunde eine Hymne an die Heimat, an unsere Heimat und die von anderen. Am Ende taucht dann dieser Chor auf, der riesengroß geworden ist und da sind alle möglichen Freunde von uns aufgetaucht, aber auch befreundete Bands, z.B. Custard, die ja auch bei unserer Releaseparty dabei sind….
T: …. und The Claymore und Agamendon. Das sind die drei Bands, die ja mit Ausnahme von Custard gar nicht aus Herne kommen. Deswegen ist Herne hier einfach stellvertretend und hat keine Vormachtstellung. Das wäre ja vermutlich auch etwas albern, denn wir wissen ja genau, wo Herne im Ruhrgebietsranking anzusiedeln ist.
M: Und es ist auch für Konzerte unglaublich gut geeignet, weil das Publikum selbst beim ersten Hören schon schnell weiß, wo es mitzusingen hat. Und wenn die Spielzeit es erlaubt, ist das auch ein Song, wo man am Ende nochmal 2-3 Refrains dranhängt, um einfach nur die Stimmung auszukosten.
T: Im Intro haben wir eine Westerngitarre und eine Laute.
M: Wobei Laute und Westengitarre im Grunde immer als Einheit auftreten und so gesehen vom Klangcharakter ein neues Instrument darstellen, das irgendwo dazwischen liegt.
T: Wir haben die Westerngitarre auch durchaus als Melodieinstrument darein gesetzt, was vielleicht erstmal ein bisschen befremdlich wirkt, aber dann diesen Sound erzeugt. Das kommt dann am Ende auch nochmal rein kurz bevor der Chor loslegt.
Das neue Album von Layment heißt TRACES
Releaseparty und Konzert am 25.4. in der Matrix. Infos hier!