Vote Rage! #2

Nachdem im ersten Teil des Blogs die Entstehung von Rage beleuchtet wurde, schwadroniert Peavy im zweiten Teil über die aktuelle Situation von Rage und ihren Auftritt heute abend beim Bundesvision Song Contest um 20.15 auf Pro7 mit dem Song "Gib Dich Nie auf".

 


Wie steht es denn um das Verhältnis von Metal und Klassik. Oft heißt es ja, Metal wäre neben Klassik die vielleicht anspruchsvollste Form, Musik zu machen.

Ja und Nein. Es gibt im Metal-Bereich sehr anspruchsvolle Bands, die ähnlich komplexe Kompositionen wie klassische Bands machen, allerdings kann man das nicht verallgemeinern. Da gibt es genau wie in jeder anderen Musiksparte große Unterschiede. Auch viele stilistische Unterschiede: Metal ist eben nicht gleich Metal. Das spannt sich ja von Pop-Metal à la Bon Jovi bis zum übelsten Death-Metal-Geballer.

Bon Jovi als Metal?

Ja Bon Jovi wurde damals, vor 25 Jahren mit Bands wie Slayer oder Venom in eine Schublade gesteckt. Ich denke mal, na gut, heute hat sich das ein bisschen differenziert. Im weitesten Sinne ist es immer noch „Eisenmusik“. Mittlerweile vielleicht nicht mehr, das letzte Album war doch sehr poppig.

Was würdest du denn sagen, was die Musik von Rage mit Klassik verbindet oder warum das bei euch zusammenpasst und bei anderen nicht?

Puh, das haben ja mittlerweile schon einige Bands probiert. Nur wir waren 1996 die erste Metalband, die das damals gemacht hat. Und dann haben Metallica das ja auch gemacht. Ich weiß nicht, ob die von uns inspiriert wurden. Lars Ulrich hat sich ja angeblich die ganzen deutschen Platten geholt, hat er jedenfalls mal erzählt.
Auf jeden Fall ist das auch eine persönliche Vorbelastung. Ich bin mit Klassik von Hause aus aufgewachsen. Meine Eltern waren beide sehr engagierte klassische Musiker. Die haben vor allem so Renaissance-Musik gemacht. Und Viktor Smolski kommt ja aus einem klassischen Haus, sein Vater ist ein bekannter klassischer Komponist und Direktor der weißrussischen Musikakademie und er hat halt mit fünf Jahren schon angefangen, alles zu studieren, was es in dem Bereich so gibt. Er war auch nicht auf einer normalen Schule, sondern auf einem Konservatorium, wo Musik im Vordergrund stand. Er hat dann mit fünf Cello und Klavier gelernt, er ist also von Hause aus ein klassischer Musiker.

Um noch mal auf die Komplexität zurückzukommen: Würdest du sagen, dass eure Musik dieses hohe Niveau an Komplexität erreicht hat?

Zum Teil, wenn man sich unsere mehr klassisch angehauchten Sachen anhört mit Sicherheit. Aber wir haben auch einfachere und straightere Sachen, die alle eigentlich nur Metal sind und nicht in höhere musikalische Sphären aufsteigen wollen. Wir sind da stilistisch relativ weit gefächert.

Dann kommen wir mal zur EP. Ich finde die Zusammenstellung sehr interessant. Nach welchen Kriterien habt ihr die Songs ausgewählt?

Ursprünglich war geplant eine Best-Of Platte zum 25. Bandjubiläum rauszubringen, aber nach etlichem hin und her ist das dann leider nicht realisierbar gewesen, weil die Rechte unseres frühen Bandkatalogs, also die ersten zehn Jahre die wir bei Noise Records rausgebracht haben, bei Universal Music liegen und die haben sich sehr unkooperativ gezeigt und haben uns keine Genehmigung gegeben, das Zeug zu verwenden. Und die alten Songs neu einspielen, das kommt bei den Fans meistens nicht so gut, also haben wir uns dann auf die EP geeinigt. Außerdem ging es auch darum, dass wir einen neuen Song rausbringen sollten. Das ist „Gib Dich Nie Auf“ der auch der Titeltrack der EP ist, weil wir von Stefan Raab für den Bundesvision Songcontest eingeladen wurden. Nur da ist Vorraussetzung, dass der Song mindestens zu 50 % in Deutsch gesungen ist und im jeweiligen Jahr erst rauskommt. Deshalb musste es halt irgendeine Veröffentlichung geben, damit der Song auch den Weg in die Öffentlichkeit findet. Deswegen, auch weil die Best-Of nicht geklappt hat, haben wir dann die EP mit neuen Sachen gemacht.

Ging es auch um einen Querschnitt eures musikalischen Schaffens?

Ja, da diese EP auch einem breiten Publikum angeboten wird, war es natürlich nicht falsch, einen Querschnitt durch unsere stilistische Vielfalt zu zeigen. Ich weiß schon was du meinst, da sind schon klassische Sachen aber auch ballernde Nummern drauf.

Den Song "Vollmond" kannte ich bereits von einer B-Seite …

Stimmt, das war beim vorletzten Album. So aus Spaß haben wir einen Song in fünf verschiedenen Sprachen aufgenommen. Die wurden auf diversen Weltmärkten als Bonustracks veröffentlicht und den haben wir dann hier auch noch mal mit reingenommen, weil das auch thematisch gut passte. Wenn Leute den deutschen Titel beim Songcontest oder bei der Vorstellung bei TV Total Ende Januar hören und sich für die deutschen Titel interessieren, dann haben sie halt direkt zwei Titel.

War es für euch komisch mal auf Deutsch zu singen?

Nein gar nicht. Das hat mir einen Riesenspaß gemacht. Ich hab ja den Song nicht nur in deutsch, sondern auch in spanisch, russisch und japanisch eingesungen.

Du kannst japanisch?

Ich hab eine Freundin in Tokio. Die hat mir den Text geschrieben, sozusagen eine freie Übersetzung von dem englischen Text. Den deutschen hab ich natürlich selbst gemacht, den russischen, da hat mir Viktor geholfen und den spanischen hat mir auch ein Freund aus Spanien übersetzt. Das sind immer recht freie Übersetzungen. Und gerade russisch und japanisch waren natürlich sehr schwierig, weil ich da überhaupt nicht weiß, was man da macht. Da hab ich alles nur phonetisch nachgesungen und die Jungs haben mir das dann ungefähr vorgeträllert wie es klingen müsste und dann haben wir immer die Mp3s hin und her geschickt, bis sie dann zufrieden waren.

Also das würde dann auch jemand verstehen, der eigentlich nur Japanisch spricht?

Ja, die waren alle ganz angetan, die sagten es wäre ziemlich klasse geworden.
Und im russischen haben sie mir sogar einen ukrainischen Akzent bescheinigt (er lacht).
Ich hab das auch alles schon live gespielt, also in Russland haben wir den russischen Song gespielt: In Japan hab ich es dann auch auf Japanisch gesungen, da brauchte ich zwar ein Textblatt, das kann ich nicht unbedingt aus dem Kopf, aber das hat alles geklappt.

Reden wir mal über den Bundesvision Song Contest, habt ihr lange überlegen müssen, da mitzumachen?

Nein, er hatte uns ja mit dem Titel „Straight To Hell“ schon einmal in seine Sendung eingeladen und wir haben den Song dann da auch gespielt. Den Song kennen die meisten aus dem „Schuh des Manitu“ und ist ja Stefan Raabs Lieblingshymne, die er bei seinen ganzen Events dauert einsetzt. Bei der Gelegenheit hat er uns damals direkt gefragt, ob wir nicht Bock haben, beim Bundesvision Song Contest mitzumachen. Da haben wir dann spontan zugesagt.

Kommt ihr mit dem Raab gut klar? Was ist das eigentlich für ein Typ?

Raab ist ein total netter Kerl muss ich sagen und irgendwie hat er wohl einen Narren an uns gefressen. Er mag uns wohl gerne, ist extrem locker uns steht halt einfach auf das Zeug. Und wenn er uns schon so persönlich drum bittet: So eine Bitte schlägt man nicht einfach so ab.

Versprecht ihr euch irgendwas davon? Wollt ihr vielleicht noch ein bisschen mehr Erfolg haben oder eure Zielgruppe erweitern?

Das ist sehr schwer zu sagen. In erster Linie ist es erstmal Spaß. Die Fernsehwelt haben wir in den ganzen Jahren eigentlich nur am Rande mitbekommen, klar haben wir schon mal ferngesehen in der ganzen Zeit, aber Metal ist halt in diesen Medien auch eher ein Stiefkind.
Das ist für uns einfach eine neue Erfahrung. Ob da jetzt was bei rumkommt, ob wir das jetzt gewinnen das ist eigentlich erstmal die zweite Frage und ob uns das neue Fans bringt, kann ich auch nicht sagen. Das letzte Album ist allerdings schon sehr gut gelaufen, und hat auch eine sehr gute Chartsposition erreicht, nachdem wir beim Raab aufgetreten sind. Das scheint also schon viele Leute auf einen zu bringen, die einen sonst übersehen würden. Aber sonst: So Riesenunterschiede macht das jetzt auch nicht.
 

Zum dritten und letzten Teil des Gesprächs geht es hier.

Das Interview führte Philip Stratmann

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