Junge Künstler aus NRW im Portrait #25: Agathe Ester Owczarek

Vom (Kreativ-)Quartier am Ostwall aus verwirklicht die Recklinghäuserin Agathe Ester Owczarek sich und ihre Arbeiten. Die 25-jährige Vielseitigkeitskünstlerin mit polnischen Wurzeln schätzt die Mobilität im Ruhrgebiet und die Konditorei in der Nachbarschaft.

Name: Agathe Ester Owczarek

Alter: 25

Wohnort: Recklinghausen

Kannst du von deiner Kunst leben?

Die Kunst ist mein Leben. Ob als Art Director für Werbeagenturen, Künstlerin an der Leinwand oder Textilfachverkäuferin – in allem stecke ich und meine Seele. Seit acht Jahren arbeite ich fest in der Kreativbranche, um meinen Lebensstil leben zu dürfen. Mit „Kunst auf Leinwand“ erfülle ich mir selbst und meinen Kunden die Möglichkeit, Kunst anfassbar und verständlich zu machen. Für 2012 stehen noch viele Türen im Bereich der Kunst offen – Malkurse, Offenbahrungen des Surrealismus und Paris.

Beschreibe deine Art von Kunst…

Feder und Tusche

„Kunst auf Leinwand“ ist Corporate Art – modern, frisch und eine Möglichkeit sich selbst (Vision und Philosophie) und seine Räume neu zu erleben. Ob Unternehmer oder Privatinteressent, jeder Gedanke füllt jenen Raum neu und macht ihn vom Büro zur Vernissage, vom stupiden Meeting zur kunstreichen Unterhaltung. Innovativ, individuell und erreichbar von Leinwand bis Skulptur.

An was für einem Projekt arbeitest du derzeit?

„Quartier am Kaiserwall“ – Werkstatt für Gedanken und Kreativzentrum inmitten Recklinghausens. Kunden vom Zahnarzt bis zum Hochzeitsgeschäft bediene ich mit meiner Kreativität. „Kunst auf Leinwand“ sitzt derweil auf meiner Schulter.

In welchem Umfeld produzierst du deine Werke?

Im Quartier liegt jenseits der Normalität mein Atelier für Werke, Sport und Design. Ein hervorragender Platz an der Baustelle zu den Recklinghäuser Arcaden. Wo Altes Erinnerungen aufblühen lässt und Neues Platz für Innovationen bietet. In der Nähe finde ich den Park und die Konditorei Sternemann.

Wie steht es allgemein um die Attraktivität des Standort NRW für junge Künstler?

Skulptur aus Ton

Ziemlich gut, Städte sind genauso wie Menschen schnell zu erreichen, wenn man selbst will! Wahre Künstler sind Lebenskünstler, denn nicht immer spielt die Laune mit, lieber einen Streich.

Siehst du deine eigene Zukunft in NRW?

Auf jeden Fall. Ich habe 20 Jahre in Recklinghausen gelebt, zwei Jahre in Essen, gearbeitet in Essen, Düsseldorf und Duisburg, Köln und ganz Deutschland. Recklinghausen bietet Ruhe und Platz für die eigene Zukunft.

Was sind deine Lieblingsorte?

Bytom, neben Recklinghausen meine Heimat des Herzens. Mehr als die Hälfte meiner Familie wohnt in Polen, ich stamm von dort. Bytom, nicht grad klein oder groß, aber groß genug für mich und meine Gedanken.

 

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Mönchskutten. Schwedisch interpretiert − Caligola bei „Eine Nacht in Dortmund“

Im Club des FZW Dortmund lag am vergangenen Freitag Neues in der Luft. Das Künstlerkollektiv Caligola, benannt nach dem verrückten, römischen Kaiser , ließ nicht nur die Puppen – oder eher zwei leicht bekleideten Frauen – tanzen, sondern versetzte auch das Publikum in Ekstase.

Foto: Norma Heimel

Zwei MacBooks mit zwei DJs dahinter, zwei Tänzerinnen, zwei Frontmänner einer bekannten schwedischen Indie-Rock Band, ein Rapper mit Reggae-Mütze, und ein paar hundert euphorisiert-tanzende Leute… Moment – schwedische Band? Passt das in diese Kausalkette? Caligola beweisen: ja! Gustaf Norén und Björn Dixgård, als Songwriter und Sänger die doppelte Speerspitze von Mando Diao, sind in schwarzen Umhängen mit überdimensionalen Kapuzen unterwegs um sich neu zu erfinden. Mit dem im März veröffentlichten Album Back To Earth beschreiten die zwei Schweden und ihre Weggefährten, die Brüder Salla und Masse Salazar als Produzenten-Team, neue musikalische Pfade. Funkig-clubtaugliche Sounds, Syntheziser und elektronische Klänge sind ihr Rezept, das die Massen zum explodieren bringen soll –  und das nicht erst beim bekannten Charterfolg Forgive Forget. Zu diesen Klängen mixen sie Beats, die an die Black Music der 1960er, 70er und 80er erinnern, jedoch immer noch unverkennbar mit dem typischen Mando Diao-Charme gepaart sind.

Foto: Norma Heimel

Das Konzept geht auch live auf: Songs wie Mr. Morris und Raise Your Head bringen die Menge ins Schwitzen, zum kollektiven Mitklatschen, ja sogar zum Bouncen! Nicht nur die Menge schwitzt. So zieht sich Gustaf einfach mal sein schwarzes Caligola T-Shirt aus, und lässt damit wahrscheinlich einige – überwiegend weibliche – Personen, kurzzeitig mit offenem Mund verstummen und erstarren. Doch zurück zum Wesentlichen: Kapuze auf den Kopf und weitergetanzt! Der charmanten Aufforderung beim letzten Song My Sister Rising („last chance to dance“) gibt es keinerlei Widerstand. Auch wenn so mancher Nörgler im Vorfeld an der Ernsthaftigkeit des „Mönchskutten-Nebenprojekts“ herummäkelte, zeigen Caligola live, dass man sie gar nicht todernst nehmen muss, um ihre Musik zu feiern.

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Eine Begegnung der symbiotischen Art – The Whitest Boy Alive in Köln

Es gibt Konzertabende, da stimmt die Chemie zwischen Publikum und Band. Dann wird über die Witze der Band gelacht, die Lieder werden mitgesungen, etliche Zugaben gefordert und mit gehauchten, gejubelten oder gebrüllten „Thank you“-Rufen der Musiker quittiert. Eine totale Symbiose konnte man am Freitagabend im Gloria miterleben: Zwischen THE WHITEST BOY ALIVE und deren Publikum ging jedenfalls kein Blatt Papier mehr. Dabei überraschte der norwegische Frontmann Erlend Øye mit einer ungeahnten Lockerheit, die er vorab bereits mit einer Stippvisite der Warteschlange demonstrierte, an der er winkend und ebenso entspannt wie nah einmal vorbeischritt.

Zunächst wartete das Gloria aber mit künstlichem Nebel, leicht übertriebenen Preisen (5 € für ein großes Kölsch plus Pfand), einem Gebäude-Verlass-Verbot (wollte man raus, war man raus), einem DJ und seinem mit Elektrofunk und Motown gefüllten Koffer sowie der Vorband IT’S A MUSICAL auf. Letztere wurde von Daniel Nentwig, dem Keyboarder von The Whitest Boy Alive angekündigt, bestand aus einer Frau und einem Mann aus Schweden und Deutschland, war bestückt mit Keyboard und Schlagzeug und spielte ziemlich süßen, aber leicht monotonen Pop. Für nur zwei Musiker machten sie einen ganz guten Sound, nach ihrer halben Stunde lautet das Urteil um uns herum daher auch „ganz nett“.

Foto: Lars Borges

Um kurz nach 21 Uhr traten dann endlich die vier Berliner ins Halbdunkel der Bühne und spielten in die letzten Beats des Pausen-DJs die ersten Töne von KEEP A SECRET. Die Stimmung passte von diesem Moment an sofort, das Publikum tanzte, klatschte und sang sich nach der Begrüßung Øyes („We are from Berlin and big surprise: you’re the audience!“) durch HIGH ON THE HEELS, TIMEBOMB, GOLDEN CAGE, FIREWORKS, ISLAND, GRAVITY, INTENTIONS, ABOVE YOU, BURNING und zwei noch unbekannte Stücke. Dabei überzeugte die Band mit phänomenalen Übergängen zwischen den einzelnen Songs, die sich als außerordentlich tanzbar erwiesen. Das hatte man nach Durchhören der Alben DREAMS und RULES vielleicht nicht unbedingt erwartet. Die vier recht nerdigen Musiker schienen dabei auf Wiederholungstäter im Publikum zu treffen. So wurde ohne Animation seitens der Band der Gegentakt im Instrumentalteil von TIMEBOMB mitgeklatscht. Trotz der Enge gaben sich die Fans größte Bewegungsmühe und bejubelten auch stets die teilweise recht absurden Tanzbewegungen Øyes. Mehrfach steckten die vier ihre genialen Köpfe scheinbar spontan zusammen: „Bandmeeting!“, rief Øye und vergaß gleich seinen Einsatz. Am Ende des Sets stellt der Norweger nicht nur seine Bandkollegen, sondern sympathischerweise auch den Tonmann Jonas, den ersten Lichtmann der Bandgeschichte und den Merchandisemann Arnold vor, die denn auch vom Publikum gleichsam laut bejubelt wurden.

Zur Zugabe ließen sich die Jungs nicht groß bitten, obwohl das Pfeifen Øye verwirrte: „It almost sounds like you don’t want us back on stage!“ Das war natürlich Quatsch, schließlich wurde der neue Song BAD CONSCIENCE ebenso begeistert aufgenommen, wie zuvor die Stücke der alten Alben DREAMS von 2006 und RULES von 2009. Die Melodie des Songs war eingängig und wurde von Kölner Publikum immer weiter schalmeit. Beim folgenden COURAGE verpasste Øye seinen Einsatz, das Publikum schalalate und badadate einfach wieder drauflos, was die Band mit Gelächter quittierte, obwohl der Gesang sogar die zweite Strophe unterbrach. „I think it’s a hit!“ grinste Øye und ließ sich daher auch noch ein zweites Mal auf die Bühne bitten und zu weiteren drei Songs animieren. „Wem das nicht gefällt, der spinnt!“, hörte ich ein wohl allgemein gültiges Urteil. Um kurz vor elf Uhr und mit einer von der Band zweimal um die Bühne getanzten Polonaise war dann aber leider tatsächlich Schluss. Zum Glück verkündete der norwegische Frontmann noch von der Bühne aus an, wo man die Band später noch antreffen würde können.

Bleiben also zwei Fragen: Ob das KING GEORGE heute noch steht und wann das neue Studioalbum von Erlend Øye, Marcin Öz, Sebastian Maschat und Daniel Nentwig zu erwarten sein darf. Köln hat die Musiker wohl in ihre Herzen geschlossen, ein neuerlicher Besuch darf zu erwarten sein. Und obwohl viele Fans sich vorab über die geringe Größe des Glorias aufgeregt hatten: Die Atmosphäre im kleinen Club lässt sich in größeren Hallen wahrscheinlich nicht so ohne weiteres herstellen. Beim nächsten Mal heißt es also frühzeitig Karten kaufen!

Text: Regina Vollmers

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Gossip im ausverkauften FZW: da sagt selbst Beth Ditto „Holy Scheiße!“

Dass es gut laufen würde, für die Besucher des exklusiven Einslive-Radiokonzertes von Gossip, im Rahmen des Events „Eine Nacht in Dortmund“ war klar. Dass es so gut lief, war dann doch überraschend. Im pickepacke vollgepackten FZW lief Beth Ditto zur Höchstform auf – und das ohne Schuhe. Die waren zu hoch, zu unbequem und wurden besser mal schon nach dem zweiten Lied ausgezogen.

Foto: Norma Heimel

Wer braucht schon eine Vorband, wenn man direkt Beth Ditto vorgesetzt bekommt? Die kleine, runde Frau war sofort komplett präsent. Als Opener mit dem Kracher Love Long Distance zu starten erübrigte etwaige Zweifel, und ein gehauchtes „You make my job very easy“ schmeichelte den Fans fast schon zu unrecht, weil Beth Ditto ihren Job einfach ziemlich gut machte. Im hautengen, schwarzen Minifummel fegte sie über die Bühne, rückte zwischendurch ihre – durchaus imposanten – Brüste zurecht, steckte auch schon mal das Mikro zwischen selbige um zu applaudieren, und nahm das mit der Nähe zu den Fans wörtlich. Auch jeder der es nicht wissen wollte, war sich nach den ersten 20 Minuten darüber im Klaren, dass die gute Beth ihre Tage hatte („I’m on my periode…maybe you can smell it“) und sie verzweifelt nach dem deutschen Wort für „bad joke“ suchte, um sich dann selbst als solcher zu bezeichnen.

Foto: Norma Heimel

Auch jenseits des Unterhaltungswerts der Gossip-Frontfrau konnte sich das Konzert sehen und hören lassen. Das am gleichen Tag erschienene Album A Joyful Noise bewies seine Konzerttauglichkeit nicht nur beim durchs Radio bekannten Song Perfect World (Live Video bei 1Live). Die Mischung aus energischem Pop und dem bekannten Gossip-Funk, in Kombination mit Beth Dittos Bühnenpräsenz kam an. Das Publikum bedankte sich mit Verausgabung. Wie ein etwas aus der Form geratener, schwarzer Gummiball hüpfte und sprang die stimmgewaltige Ditto erstaunlich wendig herum, und animierte die Menge, die mit den Augen an ihr klebte, ebenfalls zur Party-Höchstleistung.

Foto: Norma Heimel

Wer nach dem letzten Song, Heavy Cross schon an das krönende Finale des Konzertes dachte, wurde konsequent eines Besseren belehrt. Beth Ditto bescherte an dem Abend noch ein paar mehr Momente des Glücks. Kurzerhand hüpfte sie ins Publikum, schüttelte Hände, schäkerte mit ihren Fans, und bahnte sich ihren Weg durch die Menge bis hoch zur Tribüne. Als wäre das nicht schon genug Aufregung stimmte sie eine kleine a-capella-Nummer an: „And I will always love you“ und „This is for Whitney“ erklang es da also von ganz oben aus dem FZW, und die Fans stimmten begeistert in den Klassiker mit ein.

Zur bessern Sichtbarkeit für alle, stellte sich Ditto dann auch noch auf das Geländer und ließ einen panischen Security-Mann, der sie von der Brüstung fischen wollte, seinen Namen stammeln („This is Sebastian! Thank you, Sebastian!“). Mit einem „Where are the stairs?“, kurzer Orientierungslosigkeit bei den Fans („Wo ist sie hin?“) und einem gesungenen „Da-, da-, danke schön“ zu Lady Gagas Pokerface-Melodie tauchte Beth Ditto dann wieder aus der Menge auf der Bühne auf, verabschiedete sich gerührt und ließ eine euphorisierte Konzertgemeinde zurück. „Where am I?“ In Dortmund! Und der Abend war wirklich „holy scheiße“!

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Endstation Sehnsucht mit Fabrizio Cammarata & Max Rafferty

Nicht zum ersten Mal sei an dieser Stelle auf die gerade einmal 15 Minuten Bahnfahrt hingewiesen, die zwischen Düsseldorf und Wuppertal-Vohwinkel liegen. In diesem Monat lohnt es sich gar zweimal anzureisen! Die Endstation Sehnsucht, das musikalische Wohnzimmer im einst verwaisten Bahnhof an der Wupper, erhält internationalen Besuch zweier leidenschaftlicher und unverfälschter Musiker: Fabrizio Cammarata und Max Rafferty.

Ersterer ist aufstrebender Songwriter aus Palermo und präsentiert bereits diesen Freitag (11.5.) seine ganz eigene Interpretation von amerikanischem Folk, in den er lateinamerikanische Einflüsse und klassische Klänge aus Sizilien einfließen lässt. In seiner Heimat Italien konnte sich Fabrizio Cammarata in den letzten Jahren einen guten Ruf als gefühlvoller Liedermacher erspielen. Eine Kollaboration mit Joey Burns von Calexico und eine US-Tour waren der Lohn und sicherlich erst der Anfang.

Als Support war der Düsseldorfer Alex Amsterdam vorgesehen, der allerdings krankheitsbedingt ausfallen wird.

Very british wird es mit Max Rafferty (28.5.) aus Brighton, der bereits die ganz großen Bühnen der Welt bespielt hat. Als ehemaliger Bassist und Co-Songwriter der Kooks gelangen ihm bereits einige Hits, die nicht nur in UK dauerhaft bei den einschlägigen Radiostationen rotierten. Doch Rafferty verließ die Band und begab sich erst einmal auf ausgedehnte Reisen. Nun führt ihn sein Weg auf die kuschelige Bühne der Endstation Sehnsucht, wo er sein Solodebüt in einer Akustik-Show präsentieren wird. Die Vorab-Single „Lonely Town“ überzeugt bereits mit melodischem und ausdrucksstarkem Gitarrenpop.

Unterstützung findet Rafferty von Leonard London. Der Sänger der Düsseldorfer Indie-Rock-Band Futurists reist mit seinem Soloprogramm an und wird den Abend in Wuppertal eröffnen.

Text: Benjamin Doum

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Mit der Kuhglocke im Anschlag – The Rapture im zakk

Es ist immer ein gutes Zeichen, Mitarbeiter des Hauses als Privatmenschen bei einem Konzert anzutreffen. Die Relevanz der Band ist spürbar und der Auftritt in diesem Fall sogar ein seltener. The Rapture spielten am Dienstag ihre einzige NRW-Show im Düsseldorfer zakk. Die Halle hätte ruhig noch etwas voller sein dürfen, aber wie so oft bleiben die wirklich guten Dinge der Masse wohl verschlossen. All die, die da waren, zeigten sich dafür stilsicher und tanzfreudig.

Den Auftakt überließ die vierköpfige Band aus Brooklyn keinem klassischen Support Act, sondern einem befreundeten DJ. Dieser kämpfte allerdings gegen das sommerliche Wetter, das die meisten Gäste vorerst im Biergarten festhielt.

Das änderte sich als die Herren des Dance-Punks nach und nach die Bühne betraten. Es tönten die Tasten des Keyboards, es schepperte und knallte das Schlagzeug und der Basser schlug förmlich auf seinen Viersaiter ein. Die Rhythmusfraktion war energiegeladen und einsatzbereit. Dann endlich betrat auch Sänger Luke Jenner die Bühne. Der Lockenkopf im maritimen Streifenlook zupfte vornehmlich den Hals seiner Gitarre, um ihr die gleiche Hysterie zu entlocken wie der eigenen, markant hohen Stimme. „In The Grace Of Your Love“, ein wunderbarer Auftakt und zugleich Titel des aktuellen Albums.

Zwischen allen Stühlen und Genres wie Acid House, Rock, Post-Punk, New Wave und Electronica fühlten sich The Rapture schon immer heimisch, doch trägt ihr dritter Longplayer merklich die Handschrift des Produzenten und Phoenix-Mitglieds Philippe Zdar. Melodieverliebter denn je und mit deutlicheren Disco-Bezügen präsentieren sich die neuen Songs. Lauthals beklatscht wurden vor allem „Sail Away“ und „Come Back To Me“. Mit sympathischer Gelassenheit treffen hier textliche Verlusterfahrungen auf musische Euphorie. Kontraste finden halt gern zueinander.

Selbstredend, dass auch die Kuhglocke der frühen Tage Verwendung fand und Keyboarder Gabriel Andruzzi immer wieder das Saxophon auspackte – Tanzeinlage inklusive. Denn wer hat behauptet, Funk- und Soulrhythmen könnten nicht mit Manchester-Rave harmonieren? Hier wird nicht in Genres gedacht, sondern zusammengeführt, was zusammen gehört. Eindrucksvoll bewiesen mit dem Überhit „House Of Jealous Lovers“.

Gut eine Stunde dauerte ihr Set, das mit „Children“ als erster und „How Deep Is Your Love“ als letzter Zugabe endete. Vielfältig, wandelbar und unverbraucht. Ohne Allüren, aber mit geradezu überschwänglicher Spielfreude. The Rapture bleiben sich treu und sind vor allem eines: relevant!

Text: Benjamin Doum, Fotos: Iris Edinger, www.iris-edinger.de

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„Eines der größten Wespennester Europas“ – Kulturinfarkt-Debatte im zakk

Der morgige Abend, diese Prognose möchte die Schreiberin gleich zu Anfang wagen, dürfte viel Aufregung bringen in und für Düsseldorf. Zum einen, was das Sportliche betrifft. Im ersten Relegationsspiel bei Hertha BSC Berlin geht es für den Traditionsverein Fortuna Düsseldorf darum, sich im Kampf um den Aufstieg in Liga 1 eine gute Ausgangsposition zu verschaffen. Und schon vor dem Anstoß im Berliner Olympiastadion (20:30 Uhr) wird im zakk eine Diskussionsrunde angepfiffen (19 Uhr), die ihrerseits viel Sprengstoff birgt: „Wer steht vor dem Infarkt oder sind alle doch kerngesund?“ ist der Abend an der Fichtenstraße überschrieben.

Ausgangspunkt der Debatte ist das Buch „Der Kulturinfarkt: Von Allem zu viel und überall das Gleiche“, das Ende März im Albrecht Knaus Verlag erschien. Die vier Autoren, allesamt ausgewiesene Kultur-Experten, ziehen darin gegen die Auswüchse der Subventionskultur zu Felde. Entgegen dem, was man sich von ihr versprochen habe und immer noch verspricht, habe die Kultur weder den Zusammenhalt der Nation gestiftet, noch bei den Integration des Fremden geholfen, die Wirtlichkeit der Städte ebenso wenig befördert wie das ökonomische Wachstum (Stichwort: Kreativwirtschaft). Das oberste Ziel öffentlicher Kultureinrichtungen ist nicht etwa Kunst oder Innovation, sondern der schiere Selbsterhalt, so die These der System-Kritiker. Die derart angegangene Branche reagierte naturgemäß mit einem Aufschrei. Und auch die Medien stürzten sich auf das Thema. Wochenlang beschäftigte es die Feuilletons im deutschsprachigen Raum. Von einem der „größten Wespennester Europas, in das die Autoren mit Vehemenz hineingestochen haben“ sprach der österreichische ORF. „So anregend wie bei ‚Kulturinfarkt’ war Lektüre über Kulturpolitik schon lange nicht mehr“, befand „Der Sonntag“ aus der Schweiz. Und auch die taz distanzierte sich nicht von den Thesen des Quartetts, sondern erachtete eine Diskussion als notwendig: „Diese Debatte wird nun hoffentlich durch die etwas zugespitzte Prophezeiung eines ‚Kulturinfarktes’ angestoßen und auch von breiteren Bevölkerungsgruppen geführt und nicht nur von einer kleinen Kulturlobby, die Angst hat, Besitzstände zu verlieren.“

Derweil scheint die Krise im Kulturbereich längst angekommen zu sein, wie die Ereignisse der vergangenen Tage einmal mehr zeigen. Da erklärt der Kölner Opernintendant Uwe Eric Laufenberg die Oper Köln öffentlich zu einem „todkranken Patienten“, für die kommende Spielzeit sind laut Aussagen des Kölner Kulturdezernenten Quander trotz Zuschüssen von insgesamt 34,6 Millionen Euro gerade mal 60 Prozent des Spielplans gesichert. Das klamme Duisburg droht für 2014 mit Kürzungen im Kultursektor, die zum Scheitern der seit 1956 bestehenden „Opernehe“ zwischen Düsseldorf und Duisburg führen könnten und, wenn es so käme, auch erhebliche Einschränkungen des Angebots in Düsseldorf zur Folge hätten. Und auch Staffan Valdemar Holm, Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, muss in seiner zweiten Spielzeit den Gürten enger schnallen. 350.000 Euro weniger bei steigenden Kosten durch den neuen Tarifvertrag bedeuten den Wegfall zweier Produktionen für das Große Haus. Und das in einer Stadt, deren Schuldenfreiheit von den Stadtoberen genauso gerne betont wird wie ihre Außenwirkung durch Kultur! Wie es anderswo ausschaut, mag man sich gar nicht vorstellen.

Drei Tage vor der NRW-Wahl scheint da ein guter Zeitpunkt zu sein, dem Thema mittels der Diskussion im zakk noch einmal zu mehr Öffentlichkeit zu verhelfen. Auf dem Podium sitzen neben Vertretern der einzelnen Fraktionen auch Apostolos Tsalastras, Dezernent für Finanzen, Gesundheit und Kultur in Oberhausen, sowie Dieter Haselbach, einer der Autoren von „Kulturinfarkt“. Weil nun das Feld des Buchs ein sehr weites ist, möchte man sich bei der Düsseldorfer Veranstaltung auf zwei Fragestellungen konzentrieren: Wie wird die neue Landesregierung mit der Situation umgehen, dass viele Kommunen ihre kulturellen Institutionen nicht halten oder adäquat ausstatten können? Zudem bemängelt man, dass die geförderte Kultur lediglich die Bedürfnisse weniger Generationen und Schichten befriedige und fragt, ob es Pläne gebe, dies zu ändern. Der Gesprächsstoff dürfte also für einen langen Abend reichen. Peter Grabowski vom WDR hat dabei die schwierige Aufgabe, die Politiker am inhaltsleeren, aber langatmigen Labern zu hindern. Ihm obliegt die Moderation.

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Rock me, Ukulele! – Das United Kingdom Ukulele Orchestra im Savoy

Pünktlich zur Tagesschau-Zeit ertönte am letzten Freitagabend im gut besuchten Düsseldorfer Savoy eine tiefe Stimme: „Ladies and Gentlemen, please welcome: The United Kingdom Ukulele Orchestra!” Ganz davon abgesehen, dass das Wort “Ukulele” in englischer Sprache vorgetragen schon ein Lied für sich ist, wurden eventuelle Zweifel an der Vielseitigkeit der vier Saiten im Laufe des Abends ad acta gelegt.

Zwei Damen in eleganten Kleidern sowie sechs Herren, very british im Smoking, platzieren sich im Halbkreis an den mit hawaiianischen Blumenketten geschmückten Mikrophonständern. Unter ihnen: Ein lustig dreinschauender E-Kontrabassist ohne Haare alias die rhythmische Grundlage des Ganzen. Schon das erste Stück, „SABRE DANCE“, groovt. Untermalt wird die Darbietung von betont ernst dreinblickenden Gesichtern. Alan Dowson, der gemütlich und mittig ukulelt, gibt kurz darauf eine Version des Bonzo Dog Doo-Dah Band-Liedes „URBAN SPACEMAN“ zum Besten. Die Combo funktioniert also gleichermaßen mit Gesang.

Ein schlaksiger Mann steht auf und trötet in einen Gartenschlauch mit Trichter. Verwirrtes, aber vor allem belustigtes Klatschen und Johlen ist die Folge. Der nächste Kalauer wartet schon: Dowson erzählt, dass zu britischen Zensurzeiten Anzüglichkeiten nur durch die Blume gesagt werden konnten. George Formby, so der Musiker, tröstete sich während des zweiten Weltkrieges damit, den Song „WITH MY LITTLE UKULELE IN MY HAND“ zu schreiben. Wofür das Wort Ukulele hier steht, wird spätestens durch die Beschreibung der Geburt seines Sohnes klar: „My heart is filled with joy / I could see he was a boy / For he had a little ukulele in his hand.“ Entzückend, diese Art von Humor. Und es geht gerade so fort, ob vermeintliche Schallplattenhänger während der Titelmelodie des „DRITTEN MANNES“, die erst durch einen Hüpfer behoben werden, oder eine nahezu zünftige Interpretation Sarah Danes von „HEIDI“ (inklusive hochgedrahteter Zöpfe und unechter Ziege), geschlossene Begeisterung macht sich breit. An Polkaklatschern fehlt es ebenfalls nicht. Gartenschlauch-Andrew läutet eine kurze Atempause ein, indem er das erste Jazz-Stück ankündigt, jedoch nicht ohne einen weiteren Reißer: „This is a traditional, written by Glenn Miller, shortly before he was abducted by aliens.“ In abstruser Stimmung wird kollektiv „IN THE MOOD“ angehört.

Peter Baynes, ein Spieler im linken Flügel des Halbkreises, fragt, ob die Beatles und sein Deutsch Anklang fänden. Die Zuhörer klatschen Zustimmung und damit eine wirklich bemerkenswert schöne Version von „LUCY IN THE SKY WITH DIAMONDS“ herbei, dessen Ende ein mehrstimmig gesungenes „LSD“ darstellt. Es folgt ein Geständnis Lesley Cunninghams, die bis zu diesem Zeitpunkt noch mit Dutt und großgestelliger Brille aufwartet: „I am the bad influence, they call me the rock chick.“ Sagt es, entfernt Brille und strenge Frisur, und röhrt zum Beweis „Brass in Pocket“ von den Pretenders ins Mikrophon. Tony Young, ihr Sitznachbar, fügt verschmitzt hinzu, dass es sich bei dieser Frau um seine Angetraute handelt. Etwas weniger rockig, dafür musikalisch anspruchsvoll kommt „A WHITER SHADE OF G-STRING“ daher, das als Fusion von „good“ und „bad music“ Bach und Procol Harum vereint. Der junge Schotte Alan Sweeney singt, und er kann es. Die romantische Stimmung bleibt nur einen Moment bestehen, es werden Klassiker wie „STAYIN’ ALIVE“ und „LE FREAK“ ausgegraben und ein aus dem Nichts tanzender, nadelgestreifter Mann legt eine Sohle aufs Parkett, welche Detlef D! Soost wahrscheinlich die Fassung gekostet hätte. Auch in den Sitzen des Savoy wird um Luft gejapst, vor lauter Lachen. Immer wieder kommen abwegige Ideen zum Tragen, so zum Beispiel das Lied „BROCCOLI“, das Peter Baines zusammen mit musikalischen Kindern verfasste: „Broccoli, Broccoli, you got to cook it properly“. Rasend schnell wird Hit am Hit gereiht, nie langweilig, und immer mit einem brottrockenen Spruch auf den Lippen.

Fast zwei Stunden geht die mehr als unterhaltsame Show. Mit „ALWAYS LOOK ON THE BRIGHT SIDE OF LIFE“ verabschieden sich die lustigen Briten vom singenden Publikum: ein tolles „Awkestra“!

 

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Appetizer – „Kunstfilmtag Release“ im Malkasten

2007 von Künstlern ins Leben gerufen, präsentiert der Düsseldorfer Kunstfilmtag seitdem alle zwei Jahre ein internationales Programm aus Medienkunst und Künstlerfilmen. Diese Melange, deren Schwerpunkt auf Machwerken aus NRW und seiner Kapitale liegt, steht auch 2012 wieder auf dem kulturellen Terminplan. Am 10. November werden im landeshauptstädtischen Malkasten wieder bewegte Bilder unterschiedlichster Art über die Leinwand gehen. Motto diesmal: „Die Sprache ist das Haus in dem wir leben“. Bis Spätherbst wird allerdings noch viel Wasser den Rhein hinunter fließen und viele hundert Bewerbungen aus aller Welt werden beim Organisationsteam eingehen, aus denen letztendlich das Programm zusammengestellt wird.

Als kleiner Appetitanreger für die Veranstaltung im November steigt bereits übermorgen, am 10. Mai also, ein Abend mit dem Titel „Kunstfilmtag Release“ im Parkhaus des Malkastens, wo, wenn es das Wetter erlaubt, auch Würste auf den Grill wandern sollen. Ab 20 Uhr wird zunächst einmal zurückgeschaut. Ein Zusammenschnitt von Emmanuel Mir bündelt Ausschnitte aus Werken, die zwischen 2007 und 2010 beim Kunstfilmtag zu sehen waren. Zudem ist erstmals der Trailer für die diesjährige Veranstaltung zu sehen, für den die Künstlerin Frauke Berg verantwortlich zeichnet. Susanne Fassbender, Initiatorin des Kunstfilmtags, der einst im WP8 begann, hält einen Vortrag mit dem Titel „Worte finden“: Und nicht zuletzt hat auch die Band Colorist ihr Kommen angekündigt.

Wer darüber hinaus seinen Weg in den wunderschönen Garten nach Pempelfort findet, bleibt abzuwarten. An dem Abend steigt nämlich das erste von zwei Relegationsspielen zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC und seit Tagen kennt Düsseldorf kaum ein anderes Thema.

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sebel tourtagebuch tag 15

was für eine grossartige zeit das doch war! dat tour ist nun zu ende, wir sind wieder im tristen und bewölkten pott angekommen und die stimmung ist melancholisch! costa kam noch auf n kaffee mit in die wg!
alle sind melancholisch und erinnern sich an 16 tolle tage! danke an thomas godoj, der so ein wunderbarer mensch ist!
danke an alle crewmitglieder und vor allem danke an die fans die uns so sehr unterstützt haben, obwohl wir alles rabauken sind! doch eigentlich wollen wir doch nur spielen und niemals erwachsen werden!
danke für die geile zeit

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