Kulturelle Tops & Flops des Jahres 2013

Im Laufe des fast beendeten Jahres besuchen die Düsseldorfer coolibristen unzählige kulturelle Veranstaltungen. Konzerte. Ausstellungen. Lesungen. Kinofilme. Komödiantisches. Manches davon sind schon am Tag darauf verblasst. Anderes hingegen fräst sich geradezu ins Gedächtnis, sei es nun weil es besonders großartig oder besonders scheiße war. Beidem sind wir hier auf der Spur.

NADINE BENEKE, VOLONTÄRIN

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Horst Festival, Platz der Republik, Mönchengladbach

Beim Horst Festival: Disco Ensemble, Foto: Ville Malja

Beim Horst Festival: Disco Ensemble, Foto: Ville Malja

Insbesondere das Gelände, das Wetter, die entspannten Menschen und der grandiose Auftritt der Mad Caddies haben das Festival zu einer super Veranstaltung gemacht. Außerdem gab es tolle Stände wie den veganen Imbiss.

 

 

 

 

Flop
„Gravity“

Sehr langatmig und weinerlich war „Gravity“ mit Sandra Bullock. Die wohl schlimmste Szene ist eine in Slow-Motion gezeigte, im Weltraum herumschwebende Träne. Zwar werden zum Teil wirklich schöne Bilder gezeigt, aber der Film, der als “Thriller” angekündigt war, plätschert leider eher träge vor sich hin.

PATRICIA BOBAK, REDAKTIONSASSISTENTIN

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2Richard III.“, Schauspielhaus, Düsseldorf

Der großartige Rainer Galke mimte den paranoiden Tyrannen so liebenswert und komisch, dass man ihm am Ende auch die Auslöschung nahezu aller anderen Charaktere vergibt. Though this be madness, yet there is fabulous theatre in it!

Flop
„Hangover 3“

Hangover (Warner Bros/MCT)

Hangover
(Warner Bros/MCT)

Noch eine ideenlose Fortsetzung, die die Welt nicht braucht. Kommt der echten Katerstimmung am Neujahrsmorgen sehr nahe.

 

 

 

KATJA FRÜH, FOTOGRAFIN UND AUTORIN

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Tomás Saraceno „in orbit“, K21, Düsseldorf

"in orbit" Foto: Katja Früh

“in orbit”
Foto: Katja Früh

Das echte Spiderman-Gefühl gab es beim Herumklettern in der Kuppel des Ständerhauses. Und die meistens, die vor dem Betreten des Netzes in 25 Metern Höhe eine große Klappe riskierten, hingen plötzlich ziemlich still und beeindruckt in den von Tomás Saraceno aufgehängten Stahlseilen. Die Welt unten ist klitzeklein, alles ist in Schwingung und wer will, kann in dem Netz Sternenbahnen, Sehnenstränge oder den Niedergang der ernsthaften Museumskultur erkennen. Einfach nur Spaß haben geht „in orbit“ aber auch! Voraussichtlich noch bis Herbst 2014.

 

 

 

Flop
„Lone Ranger“

Eigentlich klingt alles ganz wunderbar: Johnny Depp erlebt als Indianer mit einer toten Krähe auf dem Kopf diverse Abenteuer. Und ein weißes Pferd und ein netter weißer Mann als Kumpels sind auch mit von der Wild-West-Partie. Und dann ist der Film doch nicht viel mehr als eine Slapstick-Parade vor schöner Kulisse. Schade.

SOPHIE PIEPER, REDAKTIONSASSISTENTIN

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Enno Bunger Konzert, Stadtgarten, Köln

Enno Bunger Foto: Sophie Pieper

Enno Bunger
Foto: Sophie Pieper

Weil es das erste kleine Konzert war, das ich besucht habe und weil Musik und Atmosphäre so gut gepasst haben.

 

 

 

 

 

 

 

Flop
„Gravity“

„Gravity“ war der schlechteste Film, den ich in diesem Jahr gesehen habe. Viel zu hoch gelobt, Sandra Bullock war nicht gut und die Effekte widersprüchlich.

REGINA VOLLMERS, AUTORIN

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Rocko Schamoni, zakk, Düsseldorf

Überraschenderweise ist mein Top-Ereignis kein Konzert (obwohl es da wirklich Perlen gab), sondern eine Lesung: Rocko Schamoni im zakk traf mit seinem Humor genau mein Was-auch-immer-Zentrum. Mit vor Charme sprühender Scheiße-Kollektion und der Gitarre im Anschlag wurde ich für Literatur erwärmt.

Flop
Miss Li, zakk, Düsseldorf

Konnte nichts dafür: Miss Li Foto: zakk

Konnte nichts dafür: Miss Li
Foto: zakk

Mein Flop in diesem Jahr hat mich völlig unerwartet erwischt: Ein Konzert, noch dazu von einer von mir sehr geschätzten skandinavischen Frau, wurde zum Gröhl-Albtraum. Bei Miss Li war alles daneben – außer Miss Li selbst.

 

 

 

 

 

 

ALEXANDRA WEHRMANN, REDAKTIONSLEITERIN

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Mirel Wagner, Stadthalle Mühlheim, Köln (Week-End Fest)

Dunkelgraue Lieder: Mirel Wagner

Dunkelgraue Lieder: Mirel Wagner

Beim Auftritt von Mirel Wagner in der Stadthalle Mühlheim (großartige Räumlichkeit übrigens!) standen mir sämtliche Körper-Härchen zu Berge. Die in Äthiopien geborene, in Finnland aufgewachsene Musikerin ist eine sehr leise, fast scheue Person. Ihre Kompositionen, die sie selbst mit Akustik-Gitarre untermalt, haben es aber in sich! Von Fröhlichkeit und Optimismus hält Wagner mal so gar nichts, vielmehr kreiert sie eine dunkelgrau-düstere Atmosphäre, bei der man fast froh sein konnte, dass der Saal zu ebener Erde liegt. Ansonsten wäre man vermutlich aus dem nächsten Fenster gesprungen.

Flop
Miss Li, zakk, Düsseldorf

Dass der Abend mit Miss Li im zakk zu einem beschissenen geriet, hatte mit der schwedischen Rampensau rein gar nichts zu tun. Sondern mit dem Publikum, das in Teilen unerwartet prollig, laut und bierselig daherkam. Leider standen genau diese Exemplare direkt neben uns. Für uns hieß das: diverse Bierduschen, ständiges Dumm-von-der-Seite-angequatscht-werden und einen Hals von hier bis Bagdad. Ergebnis: Geordneter Rückzug lange vor Konzertende.

MICHAEL WENZEL, AUTOR

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The Prime Movers, KuFa, Krefeld (25 Jahre Unique Records)

Unvergessen: Unique Club Foto: FotoSchiko

Unvergessen: Unique Club
Foto: FotoSchiko

Der Auftritt einer zeitlos-grandiosen Band, deren Bedeutung völlig unterschätzt ist: Songs wie „Alone In This House” haben die Größe eines Morrissey und Sänger Graham Day ist einer dieser unprätentiösen Performer, für die nicht Ruhm und Style zählen, sondern hörbar allein die Liebe zur Musik.

 

 

 

Flop
„On The Road – Unterwegs” von Walter Salles

Jack Kerouacs Schlüsselroman und Hauptwerk der Beat Generation – filmisch aufgearbeitet in Star-Besetzung für die kifffreudige Generation H&M. Enttäuschendes Kratzen an der Oberfläche. Lichtblick: Garett Hedlund, der seine Rolle des Dean Moriarty schließlich im gelungenen „Inside Llewyn Davis” der Coen-Brüder gewaltig auf die Schippe nimmt.

CHRISTOF WOLFF, FOTOGRAF

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“Männerhort”; Theaterfabrik; Düsseldorf

"Männerhort" Foto: Christof Wolff

“Männerhort”
Foto: Christof Wolff

Gewohnt charmante und sehr witzige Inszenierung der Fabrikanten.

 

 

 

 

 

Flop
“Momo”, Schauspielhaus, Düsseldorf

Nach 10 Minuten fiel mir wieder ein, dass ich den Hype/die Aufregung damals über das Buch schon nicht nachvollziehen konnte. Und für den zweiten Flop des Jahres braucht man wohl keine Erklärungen abzugeben: das war Fortuna Düsseldorfs 1:6-Niederlage gegen Paderborn.

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Textilwirtschaftswunder – Primark eröffnet in Düsseldorf

Gestern Morgen öffnete auf der Düsseldorfer Schadowstraße die irische Modekette Primark die Türen ihrer Filiale. Bog sich die Schlange der Wartenden auch bis ums Eck Richtung Schauspielhaus, hatte ein Sicherheitsmann “ehrlich gesagt mit noch größerem Ansturm gerechnet”. Sei’s drum: Für die geladenen Gäste, Presse und blutjunge Blogger gab es Mini-Donuts, die bezaubernde Primark-Direktorin Breege O’ Donoghue sprach entzückend Deutsch und gemeinsam gesungen wurde auch noch. Am aller-alle- ungewöhnlichsten: So leer und aufgeräumt wird wohl kaum jemand jemals einen Primark-Shop wieder zu sehen bekommen, wie die Teilnehmer an der Eröffnungsveranstaltung. Katja Früh dokumentierte die Ruhe vor dem Sturm.
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Eine Stimme 2013: Maxim (K.I.Z.)

“K.I.Z. also. Diese Band mit diesem wortwörtlichen “Notenständer”. Und der harten textlichen Überpräsenz von “Nutten”, “Schwänzen” und “Hurensöhnen”. Doch selbst das letzte liebevoll-ironisch besungene Gogo-Girl wird schwach, wenn die Index-Centerfolds des deutschen Raps zum Weltfrauentag kostenlose Konzerte geben, auf Youtube zu Antifa-Demonstrationen aufrufen oder in ihren Texten Verständnis für die aktuelle Windel-Preispolitik artikulieren. Billige Zensurhascherei oder raffiniert sarkastische Gesellschaftskritik?”

Text & Video: Eine Stimme 2013

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Eine Stimme 2013: Weekend

Das Projekt “Eine Stimme 2013″ spricht mit Prominenten wie Maxim (K.I.Z.), Weekend Guaia Guaia oder Hagen Stoll über die Bundestagswahl 2013. Dabei geht es aber nicht primär darum, zur Wahl aufzurufen, sondern generell und vollkommen frei über Politik und die politische Themen in Deutschland zu sprechen. Im blogbird möchten wir euch einige dieser Videos vorstellen.

Den Anfang macht Rapper und Sozialarbeiter Weekend:

Das Magazin EINE STIMME ist eine Produktion des Projekts Grundversorgung 2.0 des Centre for Digital Cultures an der Leuphana Universität Lüneburg (www.leuphana.de/cdc) und steht mit keiner politischen Partei, Interessengruppe oder anderweitiger Lobby in Verbindung.

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Currywurst und Coversongs: Manege frei für Schröder und Steinbrück

Plötzlich hängt die ganze kleine Stadt Langenfeld voller Gerhard-Schröder-Plakate und verursacht ein Zurück-in-die Zukunft-Gefühl. Bei näherem Hinsehen: Peer Steinbrück und die Jim Button’s-Band sind auch ganz klein abgedruckt. Der Wahlkampfzirkus lädt auf den Marktplatz. Und wenn es Currywurst und Coversongs gibt, kommen alle. Das Paradepony Gerhard muss wieder in die Manege und kann es noch: Beidhändige Siegerpose, Bürgernähe, Händeschütteln, tiefe Blicke, besserer Anzug, “ganz passabler Fußballer sein” und spontanes Witzeln über Technikpannen. 20 Minuten dauert die Schröder-Show. Derweil sitzt Peer Steinbrück in der ersten Bierbank. Vor SPD-Fähnchen und roten Alpenveilchen. Später dann gibt er den langatmigen Erklär-Peer. Ermüdungserscheinungen machen sich beim Wahlvolk bemerkbar. “Das wir entscheidet” jetzt erstmal einen Kaffee trinken zu gehen. Da Bilder manchmal mehr als 1000 Worte sagen, hat Katja Früh die Kamera ausgepackt.

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Keusches Küsschen – Frau Vollmers ist 30

Im Frühjahr 2013 recherchierte coolibri-Kollegin Regina Vollmers im Düsseldorfer Milieu. Für ihre Geschichte über hiesige Eckkneipen, die in der Mai-Ausgabe des coolibri erschien, süppelte sich die gebürtige Sauerländerin quer durch die Gemeinde. Ein Favorit unter den aufgesuchten Lokalen war schnell ausgemacht: „Beim Box-Papst“ auf der Vulkanstraße, gleich hinter dem Bahnhof. Ein Ort, der bis dahin überwiegend Eingeweihten bekannt gewesen sein dürfte. Vollmers erkannte das Potential der Gaststube am Bahndamm auf Anhieb und als sie einige Wochen später eine Räumlichkeit suchte, um ihren Geburtstag in größerer Runde zu feiern, kam ihr der Box-Papst wieder in den Sinn.

IMG_20130623_235315Was soll man sagen? Es wurde ein rauschendes Fest! An die dreißig oder gar eine damit verbundene Midlife-Krise verschwendete die Jubilarin kaum einen Gedanken. Rund fünfzig Gäste machten Vollmers an dem Abend im späten Juni ihre Aufwartung. Auch Hausherr Wilfried Weiser ließ es sich nicht nehmen, zu gratulieren. Neben einem Parfum und einer Flasche hochprozentigem Alkohol hauchte er der Protagonistin des Abends auch ein keusches Küsschen auf die Wange. Ob es das im entscheidenden Moment entstandene Foto in die Boxpapst-eigene Galerie schafft, ist bisher noch nicht bekannt. Dort würde Frau Vollmers jedenfalls zwischen Ebby Thust, Don King und Graciano Rocchigiani hängen.

Text: Alexandra Wehrmann

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Herzlich Willkommen im Leben – galerie-t zeigt Schiko

Traurig, aber wahr: Die Rolle der Fotografen für die Düsseldorfer Popkultur wird völlig unterbewertet. Was wäre das kulturelle Gedächtnis dieser Stadt ohne Charles Wilps Werbeinszenierungen oder ArGee Gleims Schnappschüsse aus dem Ratinger Hof? Zu diesen Dokumentaren gehört auch Andreas Schiko, der in den vergangenen 20 Jahren das Nacht- und Kulturleben der Stadt in analogen Bildern festgehalten hat und bis heute festhält. Sein provokant-humorvoller, aber stets sensibler Stil, der Künstler, Underdogs und Normalbürger zu epischen Helden erhebt und das Besondere aus Alltagszenen herauskitzelt, wurde von renommierten Modelabels erkannt und war stilprägend für aufmerksamkeitsstarke Kampagnen. Darüber hinaus hält er in seinem Blog schiko.de das Leben in der Landeshauptstadt und im Rheinland fest.

Walter Momper am 10. November 1989 Copyright: FotoSchiko

Walter Momper am 10. November 1989
Copyright: FotoSchiko

Zwischen dem 14. Juni und 31. Juli widmet sich die Düsseldorfer galerie-t (Hermannstr. 24) mit einer umfangreichen Werkschau dem Schaffen dieses einzigartigen Künstlers und gibt anhand einer Auswahl limitierter Abzüge einen Einblick in die Welt aus der Sicht von Schiko.

Am Eröffnungsabend besorgen die Kölner Produzenten und DJs Twit One (Stecken/mpm) sowie Memyselfandi (RadioLoveLove) den Sound zu den Bildern.

Andreas Schiko: 14.6.-31.7. galerie-t, Hermannstr. 24, Düsseldorf, Fr 17-19 Uhr, Sa 11-15 Uhr

Text: Michael Wenzel

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Kämpfen und Siegen – Fortuna Düsseldorf im Endspurt

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Das deutsch-deutsche Champions League-Finale schert derzeit in Düsseldorf niemanden. Die Landeshauptstadt hat ganz andere Probleme. Fortuna heißt das Sorgenkind, das seit einem 1:0 gegen den Absteiger Greuther Fürth im Februar nicht mehr gewinnen konnte und auch sonst kaum positive Signale sendet. Robbie Kruse hat in Leverkusen unterschrieben. Keeper Giefer leistete sich zuletzt Fehlgriffe in Serie. Und zu allem Überfluss verlor mancher auch noch die Nerven. Im Training kam es zuletzt mehrfach zu handfesten Auseinandersetzungen. Mit dem viel beschworenen Mannschaftsgeist, das bestätigen auch jene, die das Team in den letzten Partien im Stadion erlebten, scheint es also derzeit nicht allzu weit her zu sein. Gespielt werden muss natürlich trotzdem – zwei Mal noch. Und es geht um nicht weniger als Kopf und Kragen. Am Samstag gegen die Clubberer aus Nürnberg ist, da sind sich alle Experten einig, ein Sieg Pflicht.

Die Landeshauptstadt hat sich ihrerseits bereits warm gemacht. Vielerorts sieht man mitnichten rot, sondern vielmehr rot-weiß. Alexandra Wehrmann hat einige Impressionen eingefangen und schon jetzt dieses Liedchen auf den Lippen.
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Tausendfüßler-Abriss-Tagebuch – Teil 4: Besser als Bali: Baustellen-Tourismus

Die Farbe der Saison ist in Düsseldorf weder blau noch nude. Sondern orange. Orange sieht man allerorten. Man trägt es auf dem Kopf, oben- wie untenrum. Ohne orangen Schutzhelm und orange Warnweste läuft in der Düsseldorfer Innenstadt derzeit nichts. Der Tausendfüßler-Abriss geht in die heiße Phase. Und was der Weihnachtszeit die Holländer und den Messezeiten die internationalen Gäste sind, sind der Abrissphase die Bauarbeiter. Die alte Regel, einer arbeitet, zwei schauen zu, scheint dabei nach wie vor zu gelten. Doch es sind nicht nur die Kollegen, die den hart arbeitenden Menschen bei ihrem Tun über die Schulter schauen. Auch Otto-Normalverbraucher, die allermeisten davon männlich, viele im Rentenalter, sind angereist, um die Arbeit von Mensch und Maschinen aus nächster Nähe zu beobachten. Besser als jeder Tatort mit Til Schweiger ist das, was hier geboten wird. Kostenlos, wohlgemerkt.

DSC_0044Die Gegend zwischen Martin-Luther-Platz und Schadowstraße mutet an, als sei Weltkrieg II gerade erst zu Ende gegangen. Gesteinsbrocken türmen sich übermannshoch. Hier ragt eine Ampel heraus. Dort das Schild „Umleitung“. Das muss man natürlich für die Nachwelt festhalten. Und so haben die Baustellen-Touristen fast ausnahmslos Kameras am Mann. Manche Handys, andere kleine Knipsen, manche richtig teures Equipment. Die Ausrüstung fest in der Hand wandern sie herum, schauen hier und dort durch den Sucher – auf der Jagd nach der besten Perspektive. Das meist fotografierte Motiv in der Stadt dürfte, jede Wette, momentan der Hochstraßenabriss sein. Da können Schlossturm, Lambertuskirche und Rheinturm nicht mithalten. Nicht mal die Gehry-Bauten.

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Tausendfüßler-Abriss-Tagebuch – Teil 3: Zeichen und Wunder

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EINTRAG VOM 14. MÄRZ, AUS TECHNISCHEN GRÜNDEN ERST JETZT VERÖFFENTLICHT

Liebesbekundungen. Überall Liebesbekundungen. Mancher Mensch wäre froh, wenn er so gemocht würde. Worden wäre, muss man ja sagen. Auf den y-förmigen Stelen des Tausendfüßlers haben Freunde ihre Spuren hinterlassen. Freunde, Fans und Geliebte. Dutzende von rosa Herzen, versehen mit dem Schriftzug „Lot Stonn“, hat die gleichnamige Initiative auf den Beton aufgebracht. Andere haben ihrem Unmut Luft gemacht. Ein letztes Mal. „Tausendfüßler-Mörder“ haben sie gesprüht. „Fuck OB Elbers“. Oder „Lasst mich in Ruhe“. Sogar ein Liebesbrief an den Tausendfüßler wurde aufgeklebt. Leider ist er, als ich ihn finde, bereits zum Teil abgerissen, sodass der komplette Wortlaut nicht mehr zu entziffern ist. Der Adressat wird ihn wohl gelesen haben. Und die lieben Worte – wie alle anderen Zeichen und Wunder, die auf ihm hinterlassen wurden – mit ins Grab nehmen.

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