Gemischte Tüte

Jazz mit Eiern – Panzerballett beim Jazzfest der Uni Dortmund

Die Münchner Jungs von Panzerballett haben ihr Programm zum Namen gemacht, denn in ihrer Musik finden sowohl der „Panzer“, als auch das „Ballett“ ihren Platz: In ihren komplexen, oft humoristischen Songgebilden vermengen sie so ziemlich alles, was Jazz- und Metalszene in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht haben und erweisen sich dabei als wirklich pfiffige und in ihrer doch eher ungewöhnlichen Stilmischung selbstsichere Kombo.
Was wünscht man sich also mehr, um ein bisschen frische Luft in den festgefahrenen Zuhörerschädel hereinzulassen? Wobei man hier eher von einem Wirbelwind reden würde.
An diesem Abend (23.01.) haben sich ca. 50-100 Leute vom restlichen Programm des Jazzfests der Uni Dortmund loseisen können, um sich in einem kleinen Saal des schulisch anmutenden Fritz-Henßler-Hauses vollkommen von der musikalischen Welt Panzerballetts faszinieren zu lassen oder ihre schon vorhandene Faszination noch zu verstärken.

Nach einem sphärischen Intro ganz im Sinne der moderneren Jazzfraktion (welche neben den selten beim Jazzfest gesehenen Metalheads auch anwesend ist!), legt die Band um Jan Zehrfeld auch schon richtig los: Das harmonisch schon im Intro angedeutete Thema der Serie „Die Simpsons“ wird zunächst durch eine rhythmisch verstörende, funkige Gitarre abgelöst, um dann anschließend zusammen mit der harten Rhythmus-Gitarre (deutliche Anleihen bei „Meshuggah“ werden hörbar) und dem Saxophon vollständig in Erscheinung zu treten. Es folgen ein wunderbar vielfältiges Gitarrensolo (Allan Holdsworth ist da auch nicht mehr weit) und ein klassischer Jazzteil, bei dem das Saxophon auch nicht zu kurz kommt.

Der das Simpsons-Thema so verändernde Prozess, der nach den Worten des Hauptsongwriters Jan Zehrfeld frei nach dem Motto „Warum einfach, wenn es auch schwer geht?“ abläuft, nennt sich „Verkrassung“ und bildet das Prinzip der Kombo. Im Laufe des Konzerts erkennt man auf diese Weise zwischen den musikalisch perfekt umgesetzten, verstümmelten Takten, Basssoli, Schreien und Blastbeats immer wieder bekannte Themen z. B. von Abba oder AC/DC, was der ganzen Angelegenheit den passenden Humor verleiht. Die Helge-Schneider-artigen Nonsense-Ansagen (inklusive der mehrmals wiederholten Münchner Adressen jedes Bandmitglieds) zwischen den Songs tun ihr Übriges. Diese Mischung aus anspruchsvoller Fusion-Musik und Humor kennt man doch irgendwoher: Genau, Frank Zappa! Vor eben diesem wird dann am Ende noch mit einem langen „verkrassten“ Medley, bei dem Martin Mayrhofer, zweiter Gitarrist, auch mal sein Gesangsorgan benutzen darf, auf sehr gelungene Weise der Hut gezogen.
Am Ende des Konzerts steht man fassungslos vor den lachenden Bandmitgliedern und freut sich über ihre Nähe zwischen Genie und Wahnsinn, ist froh darüber, dass die Organisatoren des Jazzfestes „auch Bands mit Eiern eingeladen haben“ (um es in den Worten Jan Zehrfelds zu sagen) und hofft, dass beim nächsten Konzert dieser verrückten Band auch mal ein paar mehr Musikbegeisterte anwesend sein werden.

Jakob Lebsanft, Schulpraktikant 12. Klasse





Navigation


September-Ausgabe

Inhaltsverzeichnes des coolibri September 10